Die Bauchgeburt/ Kaiserschnitt/ Sectio unserer Jüngsten

Geburtsbericht

Heute ist der große Tag. Die Geburt unserer jüngsten Tochter steht unmittelbar bevor und dieses Mal ist es keine Spontane Entbindung, sondern eine andere Form der Geburt. Die Sectio oder auch Bauchgeburt genannt. Ich bin gespannt und freue mich wahnsinnig, dass ich die Kleine gleich bereits im Arm halten kann.

Ich geh noch schnell duschen und dann steht auch schon mein Mann auf. Wir machen uns fertig. Die Mädchen sind seit gestern Abend bei den Großeltern. Ich muss sagen, das ist definitiv ein großer Vorteil an dem Kaiserschnitt. Man kann planen.

Auf geht’s zur Klinik

Pünktlich um 6.45 Uhr klingeln wir an der Tür vom Kreißsaal. Wir werden freundlich begrüßt. Ich muss einen doppelten Coronatest machen. Einmal einen Schnelltest und einmal einen PCR-Test. Ich finde es immer noch grausam, wenn die tief durch die Nase in den Rachen gehen und noch immer befürworte ich den Abstrich durch den Mund. Im Anschluss folgt das legen der Viggo und dann bin ich fürs erste Ausgestattet.

Danach werden wir in einen der drei Kreißsäle gebracht. Dort muss ich mich für den OP hübsch machen.

Der Bauch wird in ein paar Minuten verschwunden sein und wir freuen uns wahnsinnig!

Die Bauchgeburt (oder Kaiserschnitt / Sectio) beginnt

Die diensthabende Hebamme holt mich ab und fährt mich zum eigenen OP des Kreißsaal, welcher direkt mit der Kinder-Intensivstation verbunden ist, falls es bei den Geburten zu Komplikationen kommt. 

Im OP erwartet mich bereits der Anästhesist und sein Anästhesiehelfer. Zweiterer schließt mich an eine Infusion an und erklärt mir, dass ich einen Buckel machen soll, weil der Anästhesist mir jetzt eine Spinalanästhesie legen wird. Diese muss leider zweimal in meinen Rücken gestochen werden, weil sie beim ersten Mal nicht richtig liegt. Das legen dieser Betäubung ist nicht schlimm, die lokale Anästhesie fand ich schlimmer. Ich habe nur einen Druck gemerkt, als die nicht gerade kurze Nadel, in meinen Rücken gedrungen ist. Nachdem das Anästhetikum injiziert wurde, habe ich ein schreckliches Zucken im linken Fuß. Ich habe das Gefühl, als wenn ein Stromschlag in meinem Sprunggelenk sei. Der Anästhesist sagt, das könne schon mal vorkommen. Danach werden meine Beine langsam taub und ich spüre bis zum Bauchnabel nichts mehr. Ich werde hingelegt und die Beine werden festgeschnallt. Nachdem mein Sichtfeld mit einem Tuch verhangen ist, kommt die Gynäkologin und ihre Assistenzärztin, um die Geburt durchzuführen. Sie begrüßen mich und fangen dann in einem Plauderton an miteinander zu reden. Ich mag das lockere und sage noch der Hebamme, dass ich es sehr angenehm finde, wenn alle so locker miteinander reden, weil dann ist alles entspannt und gut. Ich spüre die ganze Zeit nur ein Ziehen und Ruckeln. Es dauert tatsächlich etwas länger, als Geplant. Irgendwann verebben die Plaudereien zwischen den Anwesenden und ich merke eine konzentrierte Spannung und zunehmende Eile. Die Ärztin berichtet während des Geburtsvorganges, dass unsere Tochter mit dem Kopf hinter der Vorderwandplazenta feststeckt, was das ganze etwas erschwert. Das sei auch der Grund für die Beckenendlage und dass ich noch so oft Tritte gespürt habe. Die kleine steckte einfach fest. Selbst wenn ich hätte spontan in der Beckenendlage hätte entbinden wollen, wäre es letztlich in einem Kaiserschnitt geendet. Nach mehrmaligem Hin und Her ist der Kopf frei und ich höre… nichts. Meine Gedanken sind dumpf und beginnen zu rasen.

Mein Baby ist da, aber warum höre ich nichts?

Mein Mann eilt mit der Hebamme zu den Kinderärzten in einen Nebenraum. Ich liege mit geöffnetem Bauch auf dem Tisch und bekomme meine gewünschte Sterilisation, während meine Gedanken immer lauter rasen. Irgendwann höre ich, wie die Hebamme ruft, dass man die Tür zum Nebenraum öffnen solle und da… die Stimme meine Tochter. Endlich! Eine wahnsinnige Last, von der ich zuvor nichts wahrgenommen habe, ist mir von den Schultern gefallen. Meine Gedanken bremsen abrupt und die Tränen laufen mir die Wangen herunter. Ich bin so unfassbar erleichtert. Im nächsten Moment ist mein Mann wieder bei mir und dann sehe ich unsere kleine zarte Tochter. Sie ist so unfassbar winzig und ich fühle mich so glücklich. Mir wird erklärt, dass die Kleine jetzt einen Moment bei mir sein kann, sie dann aber auf die Intensivstation müsse. Sie habe ein zu geringes Geburtsgewicht und man müsse den Blutzucker bei ihr im Auge halten, wegen meines Gestationsdiabetes. 

Die kleine geht also auf die Intensivstation und ich werde, nachdem der Schnitt genäht wurde, zurück in den Kreißsaal gebracht. Im Kreißsaal bekomme ich eine Infusion mit einem Schmerzmittel, nach dem die Anästhesie nachlässt und irgendwann darf ich mit meinem Bett zu meiner Tochter. Mein Mann wartet bereits bei Ihr auf mich und ich bin selig. Ich bekomme sie in den Arm und man hilft mir, sie anzulegen. Wie ein kleiner Milchvampir sucht und findet sie meine Brust. Es klappt wieder erwartend hervorragend.Endlich Kuscheln

Irgendwann muss ich mein kleines zartes Mädchen verlassen und erst mal auf die Station. Man bringt mich mit dem Bett rüber und verspricht mich zu holen, sobald die kleine wach und hungrig ist.

Ich komme aufs Zimmer und darf erst mal etwas essen. Sobald ich eine Schwester bei mir habe, fordere ich sie auf, dass sie mit mir aufsteht und mir im Bad diesen lästigen Katheter zieht. Ihr Argument, dass ich dann aber sofort zur Toilette laufen müsse, bejahe ich. Sie zieht mir den Schlauch und ich bin froh, dass dieses lästige Ding endlich Geschichte ist. Ich kann endlich in meine Klamotten schlüpfen und das schicke Hemd weggeben. Aufgestanden

Unfassbar, wozu man die Bauchmuskeln all braucht

Ich bin erstaunt, wozu man all die Muskeln im Bauch benötigt und fühle mich am ersten Tag wie eine gebrechliche alte Frau. Ich schlafe erhöht und nur in Rückenlage. Krabbel im Vierfüßlerstand ins Bett, damit ich mich nicht hochziehen muss und entwickle noch ein paar andere Tricks, um den Bauch zu entlasten. Der Gang zur Toilette ist nicht gerade ein Fest und schlimm ist es auch, wenn ich lachen muss. Ganz schrecklich ist es, wenn ich Huste und am allermeisten schmerzt Niesen. Da denke ich jedes Mal, dass die ganze Narbe wieder aufreißt. Ich presse mir so oft die Hände auf die Narbe und hoffe, dass ich nur „sachte“ husten muss, aber ich überlebe es. Viermal täglich bekomme ich Schmerztabletten und benötige auch keine weiteren Infusionen.

Ich werde noch einmal mit dem Bett zu meiner Tochter gefahren und ab nachmittags bereits im Rollstuhl. In der Nacht hat die Nachtschwester keine Zeit mich zu der kleinen zu bringen, also laufe ich selber. Der Weg ist definitiv deutlich länger, als noch vor der OP und ich brauche eine Weile, aber ich schaffe es.Besuch auf der Intensivstation

Ich verbringe so viel Zeit, wie nur möglich, bei meinem kleinen Mädchen und mein Mann kommt auch regelmäßig vorbei und besucht erst die Kleine und dann mich. Samstags, nach der Visite lässt der behandelnde Kinderarzt sich darauf ein, dass die kleine von der Intensivstation runter darf und mit zu mir auf mein Zimmer. 

Der Schmerz in meinem Bauch wird mich noch ein paar Wochen begleiten, aber im Moment ist mir das noch nicht bewusst.

Überraschung

Sobald die Kleine auf meinem Zimmer ist, rufe ich via Videocall bei meinen Lieben zu Hause an. Die Mädchen dürfen ja nicht herkommen und haben die kleine bisher nur auf Fotos und Videos von Papa und mir gesehen. Was sind die Mädchen aus dem Häuschen und freuen sich, dass sie endlich die kleine „live“ im Call sehen können. Wir telefonieren noch regelmäßig an diesem Tag und ich wünschte, dass wir bereits heim können.

Mein Glück ist, dass an diesem Sonntag mein Gynäkologe in der Klinik Dienst hat und bei mir zur Visite reinkommt. Wir unterhalten uns und scherzen ein wenig und letzten Endes bekomme ich das Okay, dass ich entlassen werden kann. Ich müsse nur die kleine noch zur Abschluss Untersuchung beim Kinderarzt vorzeigen und wenn dieser auch nichts dagegen hat, dann dürfen wir am 3. Tag nach der Sectio nach Hause.

Baby

Der Kinderarzt, der die Kleine bereits nach der Sectio untersucht hat, macht die Abschlussuntersuchung und gibt sein Okay zur Entlassung.

Ich rufe sofort meinen Mann an und werfe meine drei zu Hause fast aus dem Bett. Es ist noch keine 10 Uhr und ich lasse uns von den dreien abholen. Mein Mann kommt auf die Station, um mir beim Tragen zu helfen und die aufgeregten Schwestern warten im Auto. Mein Mann ist sehr froh und glücklich, dass „seine Mädels“ jetzt endlich alle komplett zu Hause sein werden. Kaum im Parkhaus angekommen, springen die großen Schwestern schon aus dem Auto, als sie uns aus dem Aufzug kommen sehen und rennen mit großen Augen auf die jüngste zu. Sie sind sofort wie hypnotisiert. Man sieht förmlich die Herzchen fliegen und beide sind sofort im Bann der kleinen.

Wir sind jetzt zu fünft. Wir sind komplett und einfach nur sehr glücklich!

Unterschrift

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