Sternengeburtstag -Ausschabung nach missed abortion (Fehlgeburt)- Mein Erfahrungsbericht

–Trigger Warnung– Erfahrungsbericht

Die Ausschabung, sowie die Fehlgeburt ist ein sensibles Thema und fällt leider in die Kategorie TABU. Ich möchte das Tabu brechen, ich möchte, das Frauen offen über ihre Sterne und ihre Erfahrungen sprechen können, ohne das sie sich schlecht dabei fühlen oder beschämt sind. Daher berichte ich heute über meine Erfahrungen meiner Ausscharbung nach der „Diagnose“ missed abortion, dass mein Krümel nicht mehr lebt.

Mein persönlicher D-day

Es ist Freitag, der zweite Februar 2018. Vor zwei Tagen habe ich erfahren, dass wir eine missed abortion (verhaltene Geburt) haben. Heute steht für uns ein trauriger Termin an. Ich muss ins Krankenhaus zur Kürettage (Ausschabung der Gebärmutter). Heute wird unser Krümel seinen Sternengeburtstag haben.

Die letzten beiden Tage waren sehr schwer für mich. Ich habe viel geweint. Ich habe mich aber auch den Mädchen gegenüber sehr viel zusammen gerissen, weil sie ja nichts von ihrem Geschwisterchen, vom Krümel, wissen. Wir wollen es den Kindern auch nicht sagen, sie sollen nicht auch mitleiden müssen. Uns , bzw. mir fällt das ganze schon schwer genug und wenn ich daran denke, wie sehr die Große mit dem Tod unseres geliebten Mister Spot zu kämpfen hatte, dann muss ich ihr diese Situation im Moment nicht auch noch antun.

Ich muss nicht allein gehen

Mein Mann und ich sind überein gekommen, dass wir den Kindern gegenüber versuchen den heutigen Tag so normal wie möglich zu gestalten. Daher wecke ich die Mädchen morgens wie immer und mache sie fertig für die Schule, bzw. KiTa. Mein Mann verabschiedet sich wie jeden Morgen von uns und fährt ins Büro.

Er braucht diese Routine und ich merke, dass es ihm gut tut, also die Normalität. Er wird heute Nachmittag die Kinder wieder abholen, weil ich es ja nicht kann.

Ich hingegen schwindel meine Kinder an und erzähle ihnen, dass ich zu einer Fortbildung muss und wohl erst am Abend nach Haus kommen werden. Ich hoffe dabei sehr darauf, dass es keine Komplikationen geben wird und ich auch wirklich nach dem Eingriff wieder nach Haus kann.

Ich bringe also, nach dem Frühstück, die Kinder weg und treffe mich dann mit meiner besten Freundin, meiner Herzdame.
Ich bin froh, dass meine Liebe heute dabei ist und bin ihr dankbar, dass sie mir angeboten hat diesen schweren Weg mit mir gemeinsam zu gehen. Sie hat sich für heute extra Urlaub genommen.

Ja, auch mein Mann wäre mit gekommen, aber ich habe das Gefühl, dass es ihm jetzt etwas besser geht, wo er sich ablenken kann und seine Aufgaben machen kann. Er ist zwar ständig online und schickt Nachrichten oder ruft an, also er will schon irgendwie dabei sein, aber so wirkt es auf mich für ihn besser.

Auch meine Herz Mama hat angeboten heute dabei zu sein. Aber da hatte ich wieder das Gefühl, dass ich zu viele Emotionen zulassen könnte. Ich möchte heute aber stark sein, damit mir der Gang nicht zu schwer fällt.

Ich betrete das Krankenhaus

Ich bin um kurz vor 8 Uhr bei meiner Herzdame und wir laufen gemeinsam ins hiesige Krankenhaus. Ich muss um 8 Uhr auf der Privatstation sein. Privat deswegen, weil wir Zweibett, P. mit Chefarzt zusatzversichert sind. Ich lege allerdings nicht so viel Wert auf den Chef, weil ich der Ansicht bin, dass ein Assistenzarzt deutlich häufiger am OP Tisch steht und mehr Routine hat als ein Chefarzt. Daher habe ich auch für heute auf den Chef verzichtet, dies wird mir später aber noch indirekt aufs Butterbrot geschmiert werden. Ich habe bereits vor zwei Tagen, als wir für die zweite Meinung hier in der Gynäkologischen Ambulanz waren, alle Unterlagen für heute Unterschrieben.

Pünktlich um 8 Uhr kommen wir auf der Station an und die Stationsassistentin erkennt mich gleich wieder.

Ich habe hier nämlich vor 8 Jahren mein Examen gemacht.

Ich muss zugeben, dass ich es irgendwie angenehm finde, ein bekanntes Gesicht zu sehen. Die Assistentin duzt mich auch gleich und spricht mich mit meinem Vornamen an. Sie sagt, wir sind ja ehemalige Kollegen und so wäre es doch schön, wenn man daran anknüpft. Ich freue mich und lasse mich von Ihr auf mein Zimmer bringen.

Ein Zweibettzimmer. Eine ältere Dame ist bereits da und ich bekomme das Bett an der Tür zugewiesen.

Sehr schnell kommt eine Schwesternschülerin und so muss ich gleich mal meinen Arm frei machen, damit mir der Blutdruck, Puls und die Temperatur gemessen werden kann.

Danach bekomme ich zwei Tabletten, die den Abbruch einleiten und den Muttermund erweichen sollen, damit der stumpfe Küret (Ausschabungslöffel) leichter eingeführt werden kann, ohne das umliegende Gewebe zu verletzen. Ich muss jetzt darauf warten, dass die Blutung einsetzt und soll mich dann sofort melden. Da ich bereits zwei spontan geborene Kinder habe könne es bei mir schneller als normal gehen, da das Gewebe ja bereits weicher sei durch die Geburten, sagt man mir.

Auf ein Mittel zur Beruhigung verzichte ich bewusst. Ich möchte nichts einnehmen, was mein Bewusstsein trübt, weil ich diesen Gang sehr bewusst erleben möchte. Ich brauche das Erlebnis um den Verlust von Krümel zu verarbeiten. Ich möchte ein klares Bewusstsein haben um ganz bewusst Abschied zu nehmen.

Das warten beginnt

Ich setze mich mit meiner Freundin in den Aufenthaltsraum der Station, weil wir es dort deutlich gemütlicher finden als im Zimmer, wobei das auch sehr schön und nobel wirkt. Aber im Aufenthaltsraum gibt es für meine Beste auch noch einen Kaffee/ Kakao- Automat und Plätzchen, sowie frisches Obst. Da ich das ganze ja quasi zahle aber nicht nutzen kann, ich muss ja nüchtern sein wegen der OP, soll sie sich wenigstens bedienen können.

„Warum- Frage“

Wir sitzen also im Aufenthaltsraum, meine Liebe trinkt Kakao und wir quatschen über alles Mögliche. Mir tut es gut, nicht das bevorstehende Ereignis zu sehr zu Thematisieren und ich kann sogar mit meiner Lieben lachen. Ich fühle mich gut und bin relativ locker und entspannt. Das wiederum teile ich ihr mit und wir sind uns einig, dass es wohl so sein sollte, wie es jetzt ist.
Auch mit meinem Mann habe ich die „Warum Frage“ Thematisiert und wir halten uns daran fest, dass wir nichts dafür können und genetisch ein so massiver knoten vorliegen muss, dass es nicht anders ging. Natürlich habe ich mich auch sehr damit Beschäftigt, ob ich mich falsch verhalten habe. Aber ich habe ein Beschäftigungsverbot gehabt, meine Ernährung auf deutlich gesünder umgestellt. Habe auf Koffein, Zucker und Co. weitestgehend bis ganz verzichtet. Habe mich nicht übernommen und eigentlich genau richtig verhalten.

Der Abbruch beginnt oder die „Sternengeburt“ wird eingeleitet

Irgendwann merke ich, dass die Blutung einsetzt. Das ist für uns beide das Signal, dass es jetzt bald los geht. Ich habe um 8:10Uhr die Tabletten genommen und um 9:30 Uhr begann der Abbruch mit dem einsetzen der Blutungen.

Ich melde mich bei den Schwestern, wie es besprochen wurde. Die Schwesternschülerin nimmt mein Einsetzen der Blutung zur Kenntnis und will den Schwestern Bescheid geben.

Dann geh ich ins Bad um mich auf das Steckbecken, welches im WC klemmt, zu setzen. Ich soll, wenn möglich das Blut dort sammeln, wenn ich merke, dass wieder ein Schwall abgeht. Quasi wie bei dem s.g. freien Menstruieren. Ich verliere einige kleinere und auch größere Blutkoagel und verbrauche eine Menge an Vorlagen.

Aber irgendwie geht es nicht los. Also keine Schwester kommt, keiner holt mich für den OP ab und ich werde langsam doch etwas unruhig. Ich scherze schon rum, dass wenn es noch länger geht, ich garantiert keine Kürettage mehr benötige.

Endlich geht es zum Operationssaal

1,5 Stunden später und nachdem ich nochmals gesagt habe, dass ich „Blute wie beim Schlachter“ kommt eine Schwester um mich für den Eingriff abzuholen. Sie wirkt überrascht, dass ich noch kein OP- Hemd und keine Strümpfe an habe. Ich Schaue sie nur an und sage, dass mir noch keiner irgendwas gebracht hat und wir ja nur die Schülerin bis jetzt gesehen hätten. Ich bekomme also meine OP- Kleidung und dann geht es auch endlich los.

Meine Beste kommt noch mit, bis sie nicht mehr weiter darf und ich werde vor dem OP erst mal in den Wartebereich geschoben.

Jetzt warte ich also wieder. Ich sehe auf der Uhr, dass es kurz nach 12 ist. Recht zügig kommt ein Anästhesiepfleger und bringt mich zur Schleuse in den OP. Ich sehe den Pfleger an und erkenne ihn sofort. In meiner Ausbildung habe ich auch eine Zeit in der Anästhesie gearbeitet und häufig war ich diesem Pfleger zugeteilt. Er schaut mich auch immer wieder an und fragt irgendwann, ob wir uns kennen. Ich sage ihm, dass er sich nicht täuscht und so breitet sich ein warmes Lächeln auf seinem Gesicht aus. Ich fühle mich gleich deutlich besser, weil ich wieder ein bekanntes Gesicht bei mir habe und so verfolge ich sehr Aufmerksam jeden Schritt und frage nach, welche Medikamente ich verabreicht bekomme und lasse mir einiges erklären. Ich muss zugeben, dass mich das gut ablenkt. Mir werden die EKG Elektroden aufgeklebt und ich bekomme einen Venösenzugang gelegt. Aber nicht ohne das ich dem Pfleger mitteile, dass er genau eine Chance hat um den Zugang richtig zu legen, weil ich sonst selbst Hand anlegen werde. Ich bin zwar Krankenpflegerin, aber ich habe einen riesigen Respekt vor Nadeln, wenn ich selbst gestochen werden muss. Die Nadel liegt sofort und mir wird eine Kochsalzlösung angehangen.

Dann kommt die Anästhesistin zu mir. Sie stellt sich vor und erklärt mir meine Narkose. Es wird eine s.g. Kurznarkose und diese wird nicht hier in der s.g. Einleitung eingeleitet, sondern erst im OP. Da die Narkose wirklich kurz sei und man so die Zeit des Transportes in den OP spart. Ich muss gestehen, dass ich das recht cool finde. Das letzte Mal stand ich im OP auf der Seite der Anästhesie und lag nicht auf dem OP Tisch.

Die OP könnte eigentlich beginnen, aber….

Dann beginnt wieder das warten. Plötzlich geht das Telefon der Anästhesistin. Sie wirkt überrascht und verhalten. Sie geht aus der Einleitung raus und kommt nach dem Telefonat weder zurück. Die Anästhesistin teilt mir mit, dass die Oberärztin, welche mich aufgenommen hatte, plötzlich krank sei. Sie könne meinen Eingriff nicht durchführen, aber ich hätte Glück. Der Chefarzt habe nämlich gerade „zufällig“ Zeit, zwischen zwei Eingriffen und könne meine Kürettage jetzt machen, wenn ich damit einverstanden sei. Ich habe nicht das Gefühl, dass ich eine Wahl hätte. Schließlich habe ich die Tabletten genommen, mit denen der Abbruch eingeleitet wurde. Also stimme ich, irgendwie gezwungen, zu. Ich kann ja schließlich nicht im „begonnen“ Abbruch sagen, dass ich nicht weiter mache.

Dann geht es recht schnell. Ich werde in den OP gefahren und der Chefarzt der Gynäkologie betritt den Saal. Er begrüßt mich und gibt mir ein Formular, welches ich unterschreiben muss. Dieses Formular, welches ich nicht bereits am Mittwoch unterschrieben hatte, weil ich ja nicht unbedingt den Chef wollte. Jetzt unterschreib ich also das Formular und das Krankenhaus verdient mit meiner Unterschrift etwas mehr Geld an mir. Ich fühl mich dezent verarscht und irgendwie dazu gezwungen. Ich sehe nämlich nicht meine „freie Wahl“, von der die Ärzte gerade noch gesprochen haben.

Aber mal ehrlich, welcher Arzt, meldet sich 5 Minuten, bevor er im OP sein müsste plötzlich Krank mit Magen Darm? Und das von zu Haus aus. Also wir wohnen ja schon recht nah am Krankenhaus, aber in 5 Minuten würde selbst ich das mit Waschen etc. nicht schaffen. Ich fühl mich wirklich verarscht und auch ein wenig bürokratisch über den Tisch gezogen.

Jetzt geht es wirklich los

Ich schiebe das Gefühl jetzt bei Seite und verabschiede mich innerlich endgültig von meinem Krümel. Lieber Krümel du bist bald bei den Sternen und irgendwann werd ich dich kennen lernen...

Der Anästhesiepfleger sagt mir, dass es jetzt los gehe. Ich sehe noch mal schnell auf die Uhr. Es ist jetzt bereits 12:50 Uhr und schon bekomme ich Propophol injizierty. Die s.g. Schlafmilch wirkt umgehend. Bereits um 13:10 Uhr werde ich wieder wach und bin schon in der Schleuse aus dem OP raus. Ich bin sofort Hellwach, was garantiert auch daran liegt, dass ich keine Beruhigungsmittel hatte. Ich darf sofort Schluckweise etwas trinken und bekomme das Telefon um meinen Mann anzurufen, der auch gleich an das Telefon geht.

Dann brechen die Emotionen über mich ein

Es ist jetzt 13:15 Uhr. Ich sage ihm, dass unser Krümel jetzt bei den Sternen ist und es mir gut geht. Das ist der Moment, an dem ich meine Kontrolle kurz verliere und die Emotionen über mich einbrechen. Ich schluchze ins Telefon und fange mich recht zügig wieder. Ich brauche diesen Einbruch und die Tränen tun mir gut. Ich habe gerade mein Kind verloren und muss mein ungeborenes gehen lassen. Ein Kind, welches ich vom ersten Herzschlag an bereits liebte und welches ich nie in meinem Arm halten werde. Mein Mann spendet mir Trost mit seinen Worten und so geht es schnell wieder.

Ich darf wieder auf mein Zimmer

Um 13:20 Uhr, also 10 Minuten, nachdem ich aus der Schleuse vom OP raus gekommen bin, werde ich bereits auf Station zurück gebracht. Ich bin wach, nicht müde und habe keine Schmerzen. Mir geht es gut, bis auf das ich Hunger habe. Meine Freundin wartet bereits am Aufzug auf mich und lächelt mich an. Ich beklage gleich, dass ich ungemeinen Hunger habe und bekomme sofort einen Dämpfer von den Schwestern. Die sagen mir nämlich, dass ich frühestens in einer Stunde etwas trinken darf und nicht vor, in zwei Stunden, etwas Essen darf. Mir wird auch gesagt, dass der Chefarzt jetzt erst mal im OP sei und ich nicht mit einer Entlassung vor 17-18 Uhr rechen solle.
Ich sage meiner Lieben auch, dass Krümel jetzt wirklich nicht mehr da sei und sie antwortet nur mit “Ich weiß“.
Im Zimmer bekomme ich noch eine Kochsalzinfusion mit Novalgin (ein Schmerzmittel) angehangen. Mir läuft die Infusion viel zu langsam und so drehe ich diese schneller, sogleich die Schwester aus dem Zimmer ist.

Nachdem wir allein sind, trinke ich auch sofort etwas, schließlich habe ich auch schon im Aufwachraum etwas zu trinken bekommen. Ich lasse mir auch schnell eine Banane von meiner Freundin holen, weil ich echt Hunger habe. Mir geht es gut und ich habe keine typische Narkose gehabt. Mir ist es gerade völlig egal, was die Schwestern gesagt haben.

Meine Herz- Mama kommt die Tür rein und hat einen kleinen kuschel- Tigger für mich dabei.

Da werd‘ ich Rausgeschmissen

Um 14:30 Uhr geht die Tür auf. Eine Schwester, augenscheinlich vom Spätdienst, rauscht rein. Sie Grüßt uns nicht und geht ohne Worte an meine Infusion, die gerade durchgelaufen ist. Sie befreit mich von der Infusion und sagt dann, dass sie hier den Arztbrief habe und ich dann jetzt gehen könne. Wir drei schauen die Schwester ungläubig an. Mir wurde doch vor eine Stunde gesagt, dass ich frühestens jetzt etwas trinken dürfe und in einer Stunde erst etwas Essen könne. Zudem hieß es doch, dass ich nicht vor 17-18 Uhr mit einer Entlassung rechnen sollte und jetzt ist es gerade mal 14:30 Uhr. Die Schwester ist so schnell aus dem Zimmer raus, wie sie drinnen war. Ich liege jetzt ohne Nadel im Bett, mit einem Briefumschlag auf dem Schoß und kann es noch immer nicht glauben. Dann geht die Zimmertür nochmal auf und die Schwester steckt ihren Kopf nochmal rein. Sie sagt, ich solle bitte nicht das Gefühl haben, als wenn ich rausgeschmissen werde und macht dann gleich die Tür wieder zu. Meine Herz Mama, meine Beste und ich sind echt platt von diesem verhalten. Es fühlt sich an wie ein rausschmiss. Ich bin erstaunt, dass mich kein Arzt mehr sehen will und denke dann aber, dass dies jetzt wohl normal sei, wenn alles ohne Komplikationen verläuft. Dennoch hatte ich damit gerechnet, dass der Arzt nochmal mit mir spricht oder mich nochmal untersucht. Schließlich hatte ich jetzt die Chefarztbehandlung unterschrieben. Aber gut. So kommt es, dass ich mich langsam anziehe und um 14:50 Uhr in Begleitung meiner Freundin und meiner Herz- Mama das Krankenhaus verlassey, aber nicht ohne einen bitteren Beigeschmack. Ich verabschiede mich von meiner Mama und lasse mich dann von meiner besten nach Hause fahren. Zuvor machen wir aber noch einen Halt beim amerikanischen Burgerladen, weil ich richtig Hunger habe. Die 2 Stunden sind zwar noch nicht um, aber da ich ja so plötzlich entlassen wurde, darf ich damit ja auch etwas essen.

Zu Hause

Wieder zu Haus ist auch mein Mann überrascht, dass ich so schnell wieder da bin. Die Kinder sind bereits zu Haus und begrüßen mich stürmisch. Ich sage ihnen, dass die Fortbildung eher zu Ende war und lege mich dann auf die Couch. Da Mini gerade kuscheln möchte, kommt mir das ganz gelegen. Viel Pause gönne ich mir aber nicht und so stehe ich bald schon wieder in der Küche um mich um das Abendessen zu kümmern.

Ich beginne mich zu verkriechen und werde aufgefangen

Nachdem die Kinder im Bett sind, reden mein Mann und ich noch eine Weile über den Tag und unseren Verlust. Ich versuche die Fassung zu wahren, auch wenn ich innerlich immer mehr breche. Ich will es aber nicht zeigen, was mir aber nicht gelingt. Ich liege in den Armen meines Mannes und weine bitterlich. Die Tränen wollen nicht mehr aufhören und ich fühle mich unglaublich leer. Irgendwann gehe ich ins Schlafzimmer und bekomme dann einen Anruf von einer Bekannten, die mitbekommen hat, was bei uns los ist. Sie fragt, wie es mir geht und ich zögere wohl ein wenig zu lang mit meiner Antwort und so beginnt sie zu erzählen. Eigentlich möchte ich nicht telefonieren und mich einfach nur verkriechen. Aber ich schaffe es nicht sie abzuwürgen. So kommt es dass ich über 2 Stunden mit ihr telefoniere. Sie erzählt von ihrer Fehlgeburt und ihrem Weg damit umzugehen. Sie erzählt von den Aussagen der anderen und sie tritt mir imaginär in den hintern. Sie lenkt meinen Blick auf meine Mädchen und mit ihrer Art und ihrer Geschichte wirft sie mir eine Leine zu, welche ich ergreife. Nach dem Telefonat geht es mir besser. Mir hat es gut getan darüber zu sprechen, bzw. mich auszutauschen und zuzuhören.
Dennoch reden mein Mann und ich in dieser Nacht noch viel miteinander. Genauso wie vor zwei Nächten. Auch heute liege ich mit Tränen in den Augen in seinen Armen und er hält mich. Mir tut es unglaublich gut und ich brauche seine Kraft.

Mir hilft es zu reden

Ich brauche noch einige Tag bzw. Wochen bis ich so weit bin darüber zu reden. Nachdem ich aber damit begonnen habe über unsere geschehenes zu sprechen sehe ich, dass wir nicht alleine sind und dass es tatsächlich mehr Menschen gibt, die so etwas ebenfalls erlebt haben. Dieses Bewusstsein hilft mir bei der Verarbeitung. Ich hole mir als Erinnerung an unseren krümel einen Stern in Silber für meine Kette und dass ist der Moment, in dem ich Krümel tatsächlich los lasse und mich wieder öffne für neues.

Zurück zur Normalität

Ich gehe 3 Wochen nach meiner Kürettage wieder arbeiten. Zuvor wurde ich noch krankgeschrieben, weil ich zum einen Körperlich, aber auch psychisch noch nicht in der Lage gewesen bin wieder zum Dienst zu gehen. Mein Gynäkologe war geschockt von dem Ablauf im Krankenhaus und sagt, dass es wirklich alles andere als ein korrektes Verhalten war. Nicht nur, dass man mich behandelt, bzw. nicht richtig behandelt hat, auch das fehlende Abschussgespräch nach dem Eingriff hatte fatale Folgen. So habe ich mich nämlich nach dem Eingriff nicht geschont, wodurch ein paar Komplikationen, die sehr schmerzhaft waren, aufgetreten sind.
Trotz allem, will ich wieder arbeiten und in den normalen Alltag zurück, auch wenn ich einen riesen Respekt vor dem „Wiedereinstieg“ habe. Aber das werde ich separat verbloggen.

Kennst du jemanden, der auch solche Erfahrungen gemacht hat oder hast du dies selbst erlebt? Wie erging es dir? Magst du davon erzählen? Ich gebe dir gerne eine Plattform dafür oder verlinke deinen Text, falls du selbst darüber gebloggt hast.

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