Ein Traum oder Realität

Wir sind im Sommerurlaub. In Katwijk aan Zee und es ist traumhaft. Die Kinder sind relativ ausgeglichen und wir Entschleunigen unglaublich aus unserem Alltag.

Die Tage kommen und gehen. Die Nordsee rauscht gleichmäßig, der Sand knirscht zwischen den Zehen und die Sonne lacht überwiegend. Wir sind einfach nur unglaublich glücklich, dass wir in diesem verücktem Jahr tatsächlich noch unseren Urlaub wahrnehmen konnten. Durch Corona und allen notwendigen Maßnahmen die damit einhergehen war das ja lange echt unsicher. Daher sind wir umso glücklicher, dass alles geklappt hat und wir hier sind.

Die Tage vergehen und irgendwie ist mir komisch. Ich weiß auch nicht so genau. Auf dem Bauch in der Sonne liegen empfing ich von heut auf morgen als echt unmöglich. Dann werd ich nachts plötzlich wach und hab ungemein Sodbrennen. Ich muss tatsächlich in der Reiseapotheke nach dem Bullrichsalz meines Mannes suchen, weil das Glas Milch nicht geholfen hat.

Dann steh ich am morgen vor meinem Mann und frag ihn, ob ich irgendwie anders wirke. Er meinte „Nein“ alles normal. Ich frage „Auch meine Stimmung?“. Er darauf „Ja, alles entspannt, warum?“. Ich „Hmmm…Irgendwie müsste ich zicken, ich warte auf meine Periode, aber die war in den letzten drei Zyklen nicht mehr so regelmäßig…. Mal abwarten“.

Natürlich ging mir das nicht mehr aus dem Kopf.

„Kann es etwa sein? Darf ich vielleicht hoffen? Aber das hab ich 2018 und 2019 schon und beides endete mit einem Stern…. Nein, du bildest dir wieder was ein. Wie quasi jeden verdammten Zyklus.“ Nur hab ich jetzt hier keinen Schwangerschaftstest. Die liegen zu Haus im Bad. Also muss gewartet werden bis wir zu Hause sind.

Pustekuchen

Ich wälze mich in der Nacht hin und her. Schließlich hab ich mich dazu entschieden hier im Ort in eine Drogerie zu gehen. Das mache ich dann auch, aber ohne dies meinem Mann zu sagen. Nachmittags hab ich endlich ein Doppelpack SST gekauft, sicher ist sicher und entschwinde sofort im Bad, sobald ich wieder am Bungalow bin. Ich brauche nicht mal 3 Minuten zu warten. Es ist nachmittags und ich warte maximal 1 Minute und da stehen zwei Striche…. zwei Striche.

Oh man…. ich weiß nicht, ob ich mich freuen soll oder lieber nicht. Seit 4, fast 5 Jahren wollen wir schwanger werden. 2018 hatte ich die Fehlgeburt, 2019 hat das Herz nicht mal geschlagen und ich hab auf einen natürlichen Abgang gewartet und jetzt zwei Striche. Ich bin ein wenig glücklich, habe aber auch mega schiss.

Soll ich es für mich behalten oder lieber nicht?

Die Kinder wollen ins Wasser, ich verstecke also den Test. Auf dem Weg runter ans Meer greife ich nach der Hand meines Mannes. Ich kann es nicht für mich behalten! Ich geb ihm einen Kuss und flüstere ihm zu, dass wir uns verhalten freuen dürfen. Er schaut mich an. Denkt nach und lächelt dann. “ Ja, aber sehr verhalten. Wir wissen was alles passieren kann“ und damit spricht er mir aus der Seele.

Später reden wir nochmal kurz. Das „Was wäre, wenn“ Spiel wird durchgekaut. Was, wenn es wieder nicht klappt? Was, wenn es wegen meines knapp 35 Jahren sehr Risiko behaftet wird? Was, wenn es eine Behinderung hat?

Ich sage nur, dass ich abwarten möchte. Mir nicht zu viele Gedanken machen will. Ich gerne hoffen würde, dass einfach alles gut wird. Dass ich nicht mit einer genetischen Disposition rechne und wenn doch, dass man dann immer noch nachdenken kann. Schließlich sei Disposition nicht gleich Disposition.

Und was kommt jetzt?

Und jetzt sitze ich hier. Am Strand, in Katwijk. Sehe der Sonne beim untergehen zu. Halte den positiven Test in der Hand und habe bereits mithilfe meiner Zyklus-Tracking-App errechnet, dass ich in der 5. SSW, genauer bei 4 + 6 sein müsste, wenn man berücksichtigt, wann ES und wann der erste Tag der letzten Periode war. Wenn wir also wieder zu Hause sind werde ich mich wohl um einen Termin beim Gyn kümmern müssen. Es sei denn, ich rufe bereits kommende Woche in der Praxis von hier aus an. Ich muss mir überlegen, wie ich es mit der Arbeit weiter mache. Sag ich wieder so früh Bescheid? Meiner Chefin wird es nicht schmecken, dass weiß ich genau. Aber das sollte mich nicht kümmern. Wer bitte sagt denn, dass die Nächte damals nicht irgendwie begünstigend für die Aborte waren? Mich sollte kümmern, dass das Kind bleibt und wächst. Ich hoffe, ich bete, ich wünsche.

Bitte lass es Realität sein. Ich hoffe inständig, dass das Sprichwort „Alle guten Dinge sind drei“ bei uns zutrifft und diese Schwangerschaft intakt bleibt!

 

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