I can’t stay @home- I’m a nurse -> Ich bin ein Mensch, eine Mama, Ehefrau, Freundin und Krankenschwester

Ich bin, wie die aller meisten aus meiner Timeline garantiert wissen, Gesundheits- und Krankenpflegerin. Im allgemeinen Sprachgebrauch auch als Krankenschwester bezeichnet oder wie es in Corona Zeiten immer wieder heißt: Pflegekraft, systemrelevante Berufsgruppe.

Ich bin nicht erst seit heute Krankenpflegerin, sondern schon ein paar Jahre, genau wie meine liebe Freundin Cindy, die bereits heute Morgen darüber bloggte und mich zu meinem Artikel inspiriert hatgenau wie meine liebe Freundin Cindy, die bereits heute Morgen darüber bloggte und mich zu meinem Artikel inspiriert hat. Ich arbeite mittlerweile ausschließlich im Nachtdienst und gehöre zu den Vollzeitkräften. Heißt ich komme umgerechnet auf gute 42 Stunden pro Woche, wobei wir Pflegekräfte keine 5-Tage-Woche kennen, geschweige denn freie Feiertage. Aber das ist okay für uns. Wir haben uns unseren Beruf ausgesucht. Wir wissen auch, dass wir locker 7-12 Dienste am Stück reißen müssen und auch das wussten wir zu Ausbildungsbeginn. Das ist unser Job und dennoch brauchen wir euch! Jetzt und in Zukunft!

Wie kam ich zu meinem heutigem Beruf?

Ich wusste schon recht früh, dass ich Krankenschwester werden wollte. In meiner Familie übern einige diesen Beruf aus und mich faszinierte es den Menschen zu helfen und dem Arzt eine rechte Hand zu sein. Ich durfte als Kind immer mal meiner Mama beim Arbeiten über die Schulter sehen und machte mein Schulpraktikum letztlich auch im Krankenhaus. Dann hatte ich eine kurze Phase, in der ich unbedingt noch das Abi machen wollte und letztlich nach 4 Jahren in der Oberstufe diese mit dem Schulischen teil des Fachabiturs verließ um dann sofort mit der drei Jährigen Ausbildung zur Gesundheits- und Krankenpflegerin zu starten. Mein Kurs war damals der erste mit der neuen Berufsbezeichnung. Ich fühlte mich vom ersten Tag an wohl in meinem Kurs. Die Pflegeschule und die Lehrer waren super. Allerdings benötigte ich 4 anstatt der vorhergesehenen 3 Jahre für die Ausbildung, weil ich noch ein Jahr Elternzeit eingeschoben habe, um meine älteste gut versorgt zu wissen, wenn ich lerne.

So beendete ich also nach vier Jahren meine Ausbildung und war mehr als glücklich. Aber für mich war klar, ins klassische Akut-Krankenhaus möchte ich nicht zurück. So war ich erst mal für ein Jahr in der Kinder- und Jugendpsychiatrie als Elternzeitvertretung und habe dort die beste Zeit in meinem Beruf verbracht. Danach war ich wieder schwanger und bin dann, als die jüngste keine 5 Monate alt war bereits wieder arbeiten gegangen. Schlafwache, für 6 Monate, um dann zu meinem heutigen Arbeitgeber zu wechseln. Ich arbeite, wie gesagt, Vollzeit als Nachtwache. Ich kann mir den Tagdienst als Mama nicht gönnen und bin auf den reinen Nachtdienst angewiesen, weil nur so unser Familienkonzept aufgeht und die Betreuung der Kinder gewährleistet ist. Zudem liebe ich es nachts zu arbeiten. Ich bin eine Nachteule durch und durch und liebe meinen Job.

Realität trifft auf Wunschvorstellung

Allerdings lernte ich bereits in der Ausbildung, dass Pflegekräfte der s.g. „Arsch vom Dienst“ sind. Wie oft hatte ich nur eine examinierte mit im Dienst, die alleine mit einem Azubi_ne und ggf. einem Zivi/Fsjler_in oder Praktikant_in dastand! Die Exe musste bis zu vier Visiten, weil die Station so viele Fachrichtungen hatte, abarbeiten. Die Ärzte ließen sie spüren, dass sie keine rechte Hand ist, sondern eine besser bezahlte „Tipse“. Ich war erschüttert und dennoch ließ ich mich nicht unterkriegen. Natürlich würde genau ich alles ändern und jedem erklären, das es anders laufen muss…. Natürlich änderte ich nichts. Aber ich blieb und bleibe weiterhin motiviert, dass sich irgendwann etwas ändern wird.

Wer macht den Job in der Krankenpflege?

Ich denke das Menschen, die eine starke Ader zum Sozialen haben genau diesen Beruf ausüben. Sie sind einfühlsam, haben Antennen für ihre Mitmenschen und neigen zu dem Drang helfen und unterstützen zu wollen. Das sind alles äußerst positive Eigenschaften, allerdings sind genau diese Menschen auch die Jenigen und dazu zähle auch ich, die viel über die Umstände schimpfen. Über die Ausbeutung, die Doppeldienste die deutlich steigenden Überstunden, das äußerst geringe Einkommen für diesen Knochenjob den wir leisten usw. Dennoch würden wir eher nicht auf die Straßen gehen, weil wir unsere Patienten/ Bewohner/ Klienten nicht allein lassen können. Unser schlechtes Gewissen ist so groß, dass wir uns nicht in der Lage fühlen den Job niederzulegen um zu protestieren um für uns für bessere Verhältnisse einzustehen. Wir können doch nicht unsere zu pflegenden Menschen sich selbst überlassen. Pflegekräfte stellen die eigenen Bedürfnisse unter die der zu pflegenden Menschen, unter die der Kollegen unter die des Chefs. Wir nehmen uns zurück und wollen unterstützen, helfen und für jeden da sein. Selbst wenn wir krank sind, schleppen wir uns zum Dienst. Warum? Weil keiner da ist um für uns zu arbeiten. Der Arbeitsmarkt ist leer. Es gibt nicht genug Personal und es will kaum jemand diesen Job machen. Warum? Nicht nur weil das Gehalt unterirdisch ist, sondern weil vor allem die Bedingungen mehr als schlecht sind. Natürlich nimmt man sich dann lieber einen Beruf, der deutlich Lukrativer ist. Der Vereinbarer mit der Familie ist. Es gibt so vieles was gegen den Beruf der Pflegekraft spricht und mittlerweile so wenig, was dafürspricht. Das ist traurig! Da muss sich was ändern.

Kann es so weiter gehen?

Das Bild der Pflegekraft muss sich ganz dringend vom „Arschabwischer“ zum Bild der „helfenden Hand in Krankheit und alter“ entwickeln.

In Zeiten von Covid-19, der Corona- Krise, werden die Mitmenschen plötzlich auf uns Pflegekräfte aufmerksam und beklatschen ihren Dank an uns. Plötzlich merkt man, dass wir Pflegekräfte und alles weitere medizinische Personal die Stellung hält und im erbitterten Kampf gegen den Virus ist. Wir sind die jenen, die sich bemühen, dass die Pflegebedürftigen überleben und genesen. Jetzt sind wir präsent bei allen anderen Menschen und genau jetzt müssen wir aufschreien. Seht, was wir leisten und unter welchen Bedingungen. Seht wie sehr wir unseren Hintern aufreißen um die Großeltern, Geschwistern, Kindern, Eltern, allen geliebten Menschen um jeden von uns allen zu helfen.

Wie wird es im Moment gedankt? Die Grenze der examinierten Pflegekräfte wird weiter herabgesetzt, dadurch muss weniger Personal in einer Schicht sein und dann muss nicht mal der AG eine Strafe dafür zahlen, weil es jetzt (zeitlich begrenzt) legal ist. Dass wiederum hat noch mehr Verantwortung und Stress zu Folge, was leider auch immer wieder zu Pflegefehlern führen kann. Wir gehen bereits am symbolischen Krückstock. Bald werden wir maximal noch am Boden kriechen.

Wir brauchen jetzt und vor allem nach der Krise EURE Hilfe!

Wir brauchen eine angemessene Bezahlung! Wir brauchen vor allem aber auch genug Personal. Wir brauchen Bedingungen, die den Beruf der Pflegekraft für deutlich mehr Menschen lukrativer macht. Wir möchten gerechte Dienstpläne, genug Freizeitausgleich, sowie familienfreundliche Bedingungen.

Vor allem aber möchten wir jeden von Euch, der sich für uns einsetzt und für uns für bessere Bedingungen in der Pflege kämpft, weil wir in der Zeit „um das“ und „für ein besseres“ Leben Eurer Mitmenschen kämpfen.

Jetzt noch eines am Ende: Bleibt zu Hause, bleibt gesund und haltet euch an die Hygienerichtlinien. So könnt ihr uns genau jetzt am deutlichsten helfen und dann schreit bitte auch kräftig für uns! Jetzt und auch nach Corona!

Danke! 

An alle bloggenden Pflegekräfte:

Bitte erzählt aus eurem Pflegealltag, werdet tippend laut und fordert eure Mitmenschen auf, für uns laut zu werden. Verlinken und vernetzen wir uns gegenseitig und zeigen, was Pflege bedeutet.

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