Mein Besuch des Workshops „(Cyber-) Mobbing“ des Helden e.V. #nichtmitmir

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Der Helden- Verein für Nachhaltige Bildung und Persönlichkeitsentwicklung e.V. #nicht mit mir wurde im Jahre 2015 von Psychologen, Sozialarbeitern und Erlebnispädagogen gegründet, und verfolgt das Ziel sinnvolle und nachhaltige Workshops/ Seminare gegen (Cyber-)Mobbing und Rassismus anzubieten und Menschen für diesen Thematiken zu sensibilisieren. Der Verein bietet diese Seminare/ Workshops „Heldenakademie“ für Schulklassen, Lehrer, Sozialarbeiter an und für Elter sogar, Elternabende. Des weiteren bietet der Verein Akuthilfe an, wie man auch der Internetseite entnehmen kann. Die „Heldenakademie“ ist örtlich nicht gebunden und lässt sich quasi überall durchführen, wobei sie gerne mit den deutschen Jugendherbergen zusammenarbeiten.
Ich durfte einem Workshop zur Thematik (Cyber-) Mobbing beiwohnen, als ich am Wochenende „Aktiv gegen Mobbing- wie Kinder stark und tolerant werden“ der DJH teilnahm und habe für mich einiges mit nehmen können. Das möchte ich hier gerne teilen, weil ich denke das (Cyber-) Mobbing alle angeht und wir alle Handeln müssen, wenn uns bewusst wird, das jemand unter Mobbing leidet. Vor allem aber möchte ich meine Kinder vor Mobbing schützen. Weil das, was wir bereits zu Beginn der Schulzeit mit dieser „Lapalie“ erlebt haben und später die absolute „Hölle“ bereits in der Grundschule erfolgte, wollen wir keine Wiederholung. Nach dem Workshop wurde mir noch einmal bitte böse bewusst, das mein Mädchen leider zwei Jahre unter Mobbing gelitten hat und ich zwar intuitiv die Zeichen gesehen habe und dem nach gehandelt habe, aber leider hätte ich beharrlicher sein müssen und habe auch unbewusst ein paar Fehler begangen. Ich kann jetzt schon sagen, dass diese Präventionsarbeit ungemein wichtig ist und ich wünsche mir, dass man damit schon in den Grundschulen, wenn nicht sogar schon in den Kindergärten, beginnen sollte.


Der Workshop (Cyber-) Mobbing begann mit einer Erklärung, was Mobbing überhaupt ist. Häufig hört man das Wort „Mobbing“ in Bezug auf die Arbeitswelt, aber das ist leider heutzutage nicht mehr so, denn bereits in der Grundschule können unsere Kinder damit in Berührung kommen. Genau aus diesem Grund ist der Helden e.V. und alle weiteren Vereine/ Organisationen, die sich mit solchen Thematiken beschäftigen und dessen Arbeit so wichtig.

Was ist Mobbing?

Mobbing bezeichnet Handlungen, durch die Personen von anderen Personen schikaniert, verbal wie nonverbal angegriffen und gequält werden. Diese Handlungen kommen über einen längeren Zeitraum vor und es beinhaltet immer ein Ungleichgewicht der Kräfte. Das bedeutet, dass sich immer eine Person oder eine Gruppe von Personen, gegen eine einzelne Person stellt.

„Klassisches“ Mobbing geht heut in der Regel fließend in Cybermobbing über, weswegen man keine Grenzen mehr zwischen (Cyber-) Mobbing ziehen sollte. Konnte man vor 20 Jahren, nach der Schule/ der Arbeit noch in sein geschütztes zu Hause gehen und Abstand zwischen dem Mobbern und sich schaffen, kann man es heute im Zeitalter der modernen Technik, des Internets nicht mehr. Denn mal ehrlich, wer schirmt sich oder seine Kinder heutzutage zu Hause von sämtlichem Benachrichtigen über das Handy/ Smartphone oder den sozialen Medien ab? Und wie viele unserer Kinder sind bereits mit Internetfähigen Geräten ausgestattet, die ihnen den Zugang zum World Wide Web und den damit einhergehenden Funktionen um in Kontakt zu treten, bieten.

„Jeder kann Opfer von (Cyber-) Mobbing werden“

Nachdem uns Workshop- Teilnehmern bewusst gemacht wurde, was genau (Cyber-) Mobbing ist haben wir uns mit der Entwicklung beschäftigt, wie jemand zum „Opfer“ wird und die Helden erklärten, dass es eine s.g. Testphase des „Mobbing- Täters“ gegenüber dem potentiellen „Mobbing- Opfers“ gibt. Wie uns vorher erklärt wurde, handelt es sich bei Mobbing um Handlungen/ Angriffe über einen längeren Zeitraum und um dies umsetzen zu können, muss ein Täter natürlich herausfinden, ob es sich „Lohnt“. Das heißt, ein Täter wird in der Regel das potenzielle Opfer ein- bis zweimal triggern. Wenn das potenzielle Opfer dem Täter allerdings das Gefühl gibt, dass es sich nicht angreifen lässt und dem Täter gegenüber Ignoranz zeigt, lässt dieser häufig vom Opfer ab. Es ist schlicht nicht lohnenswert. Das potentielle Opfer sollte sich in einer Gruppe von Freunden/Arbeitskollegen, der s.g. „pear- Group“ Rückhalt holen. Es sollte die Angriffe des Täters von sich abperlen lassen oder laut aussprechen „Lass mich in Ruhe“. Es gibt, je nach Person unterschiedliche Arten und Weisen gegenüber Angriffen zu reagieren. Wichtig ist nur, dass der Täter schnell merkt, dass man nicht darauf anspringt. Dadurch verliert der Täter das Interesse.
Oft hat man den Fall, dass Täter aus sozialschwächeren Schichten kommen und selbst Opfer sind und sie ihren „Frust“ anderweitig auslassen. Dies ist jedoch keine Entschuldigung für gewalttätiges Verhalten (nonverbal sowie verbal).

In der Regel mobben Jungs tendenziell offen und Mädchen bleiben eher unter sich und mobben auf der sozialen Ebene.

Wie kann man, als Eltern, Mobbing erkennen?

Es gibt Indizien, die auf Mobbing hindeuten können, welche das sind, erzählten uns die Helden:

  • Häufig gibt das Kind keine Informationen über den Schul-/Alltag mehr
  • Das Opfer erzählt den Eltern/ Vertrauten nichts mehr
  • Erzählte Geschichten wirken unglaubwürdig
  • Bei Erzählungen werden keine Namen mehr erwähnt
  • Das Kind reagiert aggressiv auf Nachfragen und Vorschläge der Eltern /Vertrauenspersonen
    • Man sollte nach den Gefühlen Fragen
    • Man soll sich nicht mit kurzen Sätzen zufrieden geben, sondern Nachfragen
  • Das Kind bringt keine Freunde mit nach Hause
  • Im Umkehrschluss wird es nicht zu anderen eingeladen
    • Das Kind wird sozial isoliert
    • Das Kind zieht sich selbst (sozial) zurück
  • Schulsachen oder Kleidung sind häufig beschädigt
  • Körperliche Verletzungen nehmen zu
  • Das Kind verliert die Lust an der Schule
  • Das Kind äußert/ zeigt Ängstlichkeit bevor es zur Schule geht
  • Der Schulweg ist nicht mehr der direkte Weg, sondern gespickt von Umwegen
  • Es treten psychosomatische Beschwerden auf ( z.B. Bauchschmerzen, Übelkeit, Erbrechen, Kopfschmerzen)
  • Die Kinder schlafen schlecht
  • Es kommt zur depressiven Symptomatik
  • suizidale Gedanken

Sollten Eltern den Verdacht oder sogar die Bestätigung haben, dass Ihr Kind ein Opfer von Mobbing ist, dann muss gehandelt werden um das Kind zu schützen.

Was können Eltern machen?

  • Eltern müssen Aufmerksam sein.
    • Siehe die oben aufgelisteten Indizien für Mobbing
  • Eltern müssen ihr Kind ernst nehmen
  • Das Wohl des Kindes steht immer an erster Stelle
  • Eltern sollten alles erdenkliche machen, damit die Schule handelt.
    • Dabei allerdings darauf achten alles zu verhindern, was bei der Schule/ dem Lehrer Widerstand/Abwehrreaktionen auslösen kann.
    • Dabei dürfen Eltern dennoch nicht Locker lassen.
  • Ruhige Gespräche mit den Lehrern führen, ohne Ihnen Vorwürfe zu machen.
  • Mobbing sollte zu Haus nicht zum Dauerthema gemacht werden
    • Das zu Hause muss ein geschützter Raum sein
  • Mobbing darf keine Entschuldigung für Fehlverhalten seitens des Opfers sein
  • Das Kind sollte über jeden Schritt der Eltern informiert werden, allerdings sollte man das Kind aus den Gesprächen mit der Schule raus halten

Trotz allen guten Vorsätzen und besten Hilfen, die man seinem Kind bieten möchte, kann man in Fettnäpfchen treten und Fehler machen, auch wenn man dies nicht möchte. Das selbe gilt übrigens auch für Lehrer, die Fehler machen können.

7 Fehler beim Umgang mit Mobbing

  1. Als „Opfer- Eltern“ mit „Täter- Eltern“ sprechen
  2. Selbst mit dem Täter sprechen
  3. Das Opfer mit zum Gespräch mit dem Lehrer/ der Schule nehmen
  4. Als Lehrer den Fall in der Klasse besprechen
  5. Als Lehrer nach Besprechung den Mobbing- Fall locker lassen
  6. Als Lehrer das Mobbing auf die Persönlichkeit des Opfers zurückführen
  7. Das Opfer aus der Klasse nehmen ( Das Opfer ist das „Opfer“ und sollte nicht bestraft werden, in dem es die Klasse/Schule wechseln muss um zu „flüchten“. Der Täter sollte der Klasse/ Schule verwiesen werden, weil das eine Bestrafung an der richtigen Adresse wäre)

Ich fühle mich nach dem Workshop, wie bereits zu Beginn erwähnt, darin bestärkt, dass unsere Tochter die Hölle durchgemacht hat. Bereits an dem Wochenende im Workshop bemerkte ich, dass wir als Eltern intuitiv viele Faktoren erkannt haben und ärgere mich jetzt im nachhinein, dass wir vieles, von dem hier gehörten, nicht bereits zuvor gewusst haben. Ich denke, dass wir als Eltern durchaus hätten anders handeln können, bzw. beharrlicher hätten sein müssen. Jetzt sind wir einfach froh, dass unsere Tochter eine neue Schule besucht (Schulwechsel von der Grundschule zur weiterführenden Schule) und sich das Thema Mobbing dort nicht weiterführt. Was aber durchaus hätte passieren können.
Unsere Erfahrung (siehe Verlinkungen am Anfang des Artikels) und die Tatsache, dass jeder ein Opfer von Mobbing werden kann, zeigt deutlich das noch vieles getan werden muss um Menschen für dieses Thema zu sensibilisieren. Daher ist die Arbeit von Vereinen und Organisationen wie der Helden e.V. so wichtig. Der Verein lebt und finanziert seine Arbeit durch Spenden und ist somit immer auf Spendengelder angewiesen, damit er seine Arbeit weiterführen kann und uns, sowie unsere Kinder zu Menschen mit offenen Augen macht.

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