(m)ein stiller Wunsch

Heute gibt es einen lang gehüteten „Herzenstext“ von mir. Ich habe diesen Text schon ewig (seit Mitte 2016) in der Warteschleife und ich habe mich wirklich lange nicht gewagt diesen zu veröffentlichen. Jetzt habe ich aber den Mut und möchte meine Gedanken, meine tiefen gefühle mit dir teilen. Bitte verurteile mich nicht dafür.

Schon eine ganze Zeit lang habe ich das Gefühl, dass ich mehr möchte. Ja ich weiß, dass wir Glücklich sein sollten. Also das ich dies sein sollte. Ich habe einen tollen und mich/ uns liebenden Ehemann, einen super Job, der mich größtenteils glücklich macht und das wichtigste: Ich/ Wir habe zwei gesunde Kinder und beide sind aus dem Kleinkindalter raus. Die Große geht in die Schule und Mini hat in die KiTa Gruppe der großen Kinder gewechselt. Beide Kinder blühen auf und leben mit viel Freude Ihr Leben. Sie gehen ihren Hobbys nach, haben Freunde und wir genießen es mit ihnen gemeinsam Dinge zu erleben.

Dennoch habe ich da dieses Gefühl. Dieses kleine Stechen. Das wir nicht vollständig sind. Ich verdränge es immer wieder und es ist nicht konstant da. Dennoch merke ich, dass mir etwas fehlt in meinem/ unserem Leben. Das ist keine berufliche Veränderung. Ich bin auch nicht unglücklich in meiner Ehe und auch nicht traurig über meine Kinder. Ich fühle einfach eine Leere. Mir ganz persönlich fehlt etwas. Ich habe einen weiteren Kinderwunsch. Ich möchte noch ein weiteres Kind. Ich weiß, dass das total überzogen klingt und eigentlich sind wir uns einig gewesen, dass unsere Familienplanung mit unserer zweiten Tochter abgeschlossen ist. Ich habe immer gedacht, dass ich nur zwei Kinder haben möchte, aber jetzt ist er da, der Wunsch. (M)ein Wunsch nach einem weiteren Kind. Ich muss gestehen, dass ich sehr lange nicht den Mumm habe mit meinem Mann darüber zu sprechen, weil wir eigentlich alle glücklich sind. Aber der Wunsch in mir wird immer mal wieder laut und ich kann ihn einfach nicht abstellen. „Ja ich habe diesen unerfüllten Kinderwunsch, auch wenn ich bereis zwei Kinder habe.“

Das Gespräch und die Ernüchterung

Irgendwann traue ich mich dann mit meinem Mann zu sprechen. Er ist absolut nicht begeistert von meinem Kinderwunsch. Klar, er war immer Einzelkind, bis seine Stiefgeschwister in sein Leben traten. Er sagt, dass wir uns immer einig gewesen sind, dass wir zwei Kinder haben möchten und diese haben. Er sagt, dass er glücklich ist mit unseren Mädchen und mir. Wir haben beide Jobs in denen wir uns soweit wohlfühlen, wir können uns im Leben etwas leisten und wir sehen unsere Kinder aufwachsen. Wir können Ihnen Ihre Hobbys bieten, wir können ihnen einmal im Jahr einen Urlaub bieten und wir können uns Ausflüge ohne Probleme Leisten. Er befürchtet, dass wir ein drittes Kind weder finanziell stemmen können, noch das er genug Liebe für ein weiteres Kind hätte, bzw. eines unsere Mädchen dann vernachlässigt werden würde.

Mich stimmen diese Gedanken traurig, weil ich es ganz anders sehe. Wir drehen uns im Kreis und so lassen wir das Gespräch einfach bleiben. Es bringt uns zu keinem Ergebnis. Mir sind unsere Familie und unsere Ehe wichtiger, als ein weiteres Kind. Ich versuche zwar ab und zu nochmal das Thema anzusprechen und schreibe auch einmal all meine Gedanken in einem Brief auf und gebe diesen meinem Mann (Ich kann schriftlich besser meine Gedanken zum Ausdruck bringen). Ich kann seine Argumente nachvollziehen und sie sind mir auch verständlich. Dennoch kann ich dem ganzen nicht so rational gegenübertreten, wie mein Mann es macht. Ich bin in unsere Beziehung nicht der „Kopfmensch“, der Rationalist, sondern der „Bauchmensch“. Trotz allem beginne ich den Wunsch nach einem weitern Kind einzuschließen, weil mir unsere Familie, so wie sie jetzt ist, wichtiger ist und ich diese nicht, durch meinen weiteren Kinderwunsch, kaputt machen möchte.

Einen Strich drunter setzen und neu beginnen

Schließlich beginne ich diesen, jetzt nicht mehr stillen, Wunsch nach einem weiteren Kind zu beerdigen. Klar macht mich das immer mal wieder traurig, aber ich denke nicht ständig daran und versuche mich von dem Gedanken abzulenken. Ich beobachte meine Mädchen und beginne (wieder) mit ihnen aufzublühen. Wir entdecken gemeinsam ihre Welt und ich liebe die beiden noch viel intensiver als vor diesem, für mich sehr ernüchterndem, Gespräch mit meinem Mann.

Mir fällt es noch immer an manchen Tagen schwer darüber nachzudenken, dass ich diesen, für mich, stillen Wunsch habe. Aber dann beobachte ich meine Mädchen und erfreue mich daran, dass wir die beiden haben. Sie wachsen und entfalten täglich etwas mehr ihre Flügel. Sie werden groß und gehen immer längere Strecken ohne meine Hand zu halten. Die Große kommt im Sommer bereits auf die Weiterführende Schule und Mini wird eingeschult. Die beiden werden immer mehr zu eigenen Persönlichkeiten und wissen zunehmend, was sie möchten und was nicht. Sie beginnen langsam Ihren Weg des Lebens zu bestreiten und ich bin täglich um jedes Stückchen Weg glücklich, welches ich noch mit Ihnen gemeinsam gehen darf. Auch wenn ich weiß, dass irgendwann der Tag kommt, an dem ich auf meinem Weg neben dem ihrem gehen werde. Aber so lange wir noch einen gemeinsamen Weg bestreiten, so lange möchte ich jede Sekunde genießen.

Ich versuche einen Strich unter meinen unerfüllten Kinderwunsch zu ziehen und versuche mich an dem zu halten was ich habe.

Meine beiden Mädchen und meinen Mann, mit denen ich sehr glücklich bin.

6 Kommentare bei „(m)ein stiller Wunsch“

  1. […] wünsche ich mir sehnlichst ein drittes Kind und mein Mann hatte lange Zeit Bedenken, weswegen ich meinen Kinderwunsch beinahe schon begrub. Ich verstehe noch heute seine Bedenken, auch wenn ich es mit anderen Augen betrachte. Dann hat er […]

  2. […] einiger Zeit habe ich dir einen Einblick in mein tiefstes inneres gegeben, in dem ich dir von (m)einem stillen Wunsch erzählt habe, nachdem ich diesen Artikel ewig in meinen Entwürfen hatte und wirklich lange […]

  3. Ich kann deinen Mann da voll verstehen, denn bei uns war es genau umgekehrt. Mein Mann wünschte sich kurz nach der Geburt ein drittes und ich meinte da nur..ohne mich…Nun sind unsere Kids fast 6 und 12 1/2 und wir sind froh und glücklich wie es ist. Mein Mann vermisst nun kein drittes Kind und wir genießen uns auch mal als Paar…

  4. Klar ist dein Mann nicht begeistert. Ihr hattet ja eine gemeinsame Linie dazu. Die ist jetzt erstmal hinüber. Ablehnung ist da ziemlich normal als erste Reaktion.

    Was ich dir nicht empfehlen würde ist, es damit gut sein zu lassen. Wenn du es dir so sehr wünschst, dann kannst du es zwar kurz- und mittelfristig verdrängen, aber langfristig wird immer die Frage „was wäre gewesen wenn“ bleiben. Läuft es doof, dann steht das immer zwischen dir und deinem Mann. Sonderlich gesund für eine Beziehung ist das, meiner Ansicht nach, nicht auf lange Sicht.

    Jetzt ist es ja aber endlich raus und es muss ja auch nicht sofort ein weiteres Kind her. In einem Jahr oder in zwei Jahren ist ja auch noch alles drin. Also hör einfach in dich hinein und schau wie stark der Wunsch ist. Parallel kannst du deinem Mann auch etwas Zeit geben die Sache sacken zu lassen. Je größer die Kinder werden, desto mehr Zeit wird ja auch für ein potentiell weiteres Kind frei (zumindest hoffe ich das mal als Papa einer 2 Jährigem 😁). Bleib einfach am Ball und sag ihm ehrlich wie es dir damit geht.

  5. Ich bin eine 3-fach Mama und kann sagen , das ein drittes Kind nicht soviel Veränderung bringt wie ein Zweites;-) Ich muss gestehen das ich richtig Angst hatte ob ein 3. Kind passt, nun möchte ich ihn nicht missen und wenn ich ehrlich bin sogar ich vermisse es manchmal das ich kein kleines Baby mehr habe. Bei uns gibst allesdings medizinisch kein Platz mehr für Überlegungen – zum Glück. Ich drück die Daumen, dass sich dein Wunsch vielleicht doch noch erfüllt. Lg

  6. Ich kann deinen Mann voll und ganz verstehen. Er hört sich ganz nach meinem Mann an. Und ich muss dir sagen, neben seiner Tochter wollte er anfangs genau ein Kind mit mir. Bei ihm gab es die gleichen Ängste. Und bei uns ist es ja noch „schlimmer“ da wir unterhaltsverpflichtungen haben. Aber ich habe ihm alles genau ausgerechnet: vom Elterngeld über Kindergeld etc. Als er schwarz auf weiß zahlen vor sich hatte, und er definitiv wusste dass ich ein zweites Kind locker schaffen würde, war er einverstanden. Und er sah auch bei den beiden jetzt, dass keiner zu kurz kommt. Nicht einmal er selbst mit seinen Hobbys. Allerdings muss ich dazu sagen, dass ich selten Zeit für mich allein einfordere. Daher bin meistens ich es, die sich um die Kinder kümmert… aber ich liebe es, weil ich weiß sie werden zu schnell groß… und liebe ist immer genug für alle da. Du kannst dir nicht vorstellen wie sehr unsere beiden meinen Babybauch lieben und sich auf ihre Schwester freuen 😍

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