Eine Bergische Tradition: das „Märtensingen“

Sankt Martin

In großen Teilen Deutschlands ist es Brauch, am Tage von Sankt Martin (11.11.) oder ein paar Tage zuvor, einen Martinsumzug mit seinen Kindern zu besuchen. Bei diesen Umzügen gedenkt man der guten Taten von Sankt Martin. Man singt Martinslieder und folgt mit, meist selbst gebastelten, Laternen einem Martin, der den Zug auf einem Pferd sitzend anführt. Meistens endet dieser Umzug an einem Martinsfeuer, wo in der Regel noch einmal kurz die Martinsgeschichte nachspielt, wie sie auch in dem Lied „Sankt Martin“ erzählt wird.  

Sankt Martin 2016 in der KiTa von Mini

 

 

1. Strophe

Sankt Martin, Sankt Martin, Sankt Martin ritt durch Schnee und Wind

sein Ross, das trug ihn fort geschwind

Sankt Martin ritt mit leichtem Mut

Sein Mantel deckt ihn warm und gut

2. Strophe

Im Schnee saß, im Schnee saß, im Schnee, da saß ein armer Mann

hatt‘ Kleider nicht, hatt‘ Lumpen an

Oh, helft mir doch in meiner Not

Sonst ist der bittre Frost mein Tod

3. Strophe

Sankt Martin, Sankt Martin, Sankt Martin zog die Zügel an

Sein Ross stand still beim armen Mann

Sankt Martin mit dem Schwerte teilt

den warmen Mantel unverweilt

4. Strophe

Sankt Martin, Sankt Martin, Sankt Martin gab den halben still

der Bettler rasch ihm danken will. Sankt Martin aber ritt in Eil hinweg mit seinem Mantelteil.

5. Strophe

Sankt Martin, Sankt Martin, Sankt Martin legt sich müd‘ zur Ruh

da tritt im Traum der Herr dazu

Er trägt des Mantels Stück als Kleid

sein Antlitz strahlet Lieblichkeit

6. Strophe

Sankt Martin, Sankt Martin, Sankt Martin sieht ihn staunend an,

der Herr zeigt ihm die Wege an

Er führt in seine Kirch‘ ihn ein,

und Martin will sein Jünger sein

7. Strophe

Sankt Martin, Sankt Martin, Sankt Martin wurde Priester gar

und diente fromm an dem Altar

Das ziert ihn wohl bis an das Grab,

zuletzt trug er den Bischofsstab

8. Strophe

Sankt Martin, Sankt Martin, Sankt Martin, o du Gottesmann,

nun höre unser Flehen an

O bitt‘ für uns in dieser Zeit

und führe uns zur Seligkeit


Meistens singt man aber nur die ersten 4 Strophen ;).

Im Anschluss werden häufig so genannte Weckmänner, Stutenmänner oder wie das gebackene Männlein aus Hefeteig genannt wird, an die Kinder verteilt.

Bei uns im Bergischen Land

wird das auch so gemacht. Allerdings gibt es in dieser „Märten- Zeit“ (Martins- Zeit) noch einen ganz besonderen Brauch (der allerdings in den letzten Jahren immer weniger geworden/ in Vergessenheit geraten ist…) das so genannte „Märten singen“ (Martinssingen).

Eine Bergische Tradition: das „Märten singen“

Das Märten singen ist eine Tradition, an dem die Kinder mit Ihren gebastelten Laternen und einem Jutebeutel (Stofftasche) in der Hand, am Abend des 10.November, in kleinen Gruppen oder in Begleitung der Eltern, von Haustür zu Haustür durch die Nachbarschaft ziehen um die Menschen mit ihren Laternen und einem Märten Lied zu erfreuen. Auch wir machen dies immer am 10.11. und die Kinder freuen sich jedes Jahr aufs neue darauf.  Dort singen sie den Nachbarn/ Bewohnern, insofern diese die Tür öffnen, ein Martinslied und bekommen als Anerkennung etwas Süßes, Obst oder Nüsse in ihren Jutebeutel. Die Eltern bekommen meistens ein kleines Pinnchen Schnaps oder Likör angeboten. So sind die Kinder äußerst fröhlich über das Schnagerzeug und bei den Eltern steigt mit jedem Pinnchen die Stimmung. Das mit dem Pinnchen ist heute nur noch selten, zumindest bei uns, aber ab und zu trifft man auf eine Haustür, hinter der eines auf uns Eltern wartet. 

Die Tradition schläft ein

Wie ich schon angedeutet habe, nimmt diese Tradition zunehmend ab, was ich unglaublich schade und traurig finde. Leider gehen immer weniger Kinder am 10.11. Märten singen und es öffnen auch immer weniger die Tür. Es kommt auch vor, dass man die Tür geöffnet bekommt, derjenige aber nicht weiß, warum man mit einer Laterne und seinem Kind vor der Tür steht. Auch passiert es, dass man die Tür vor der Nase wieder zugeworfen bekommt. Ich finde es sehr schade, dass diese, unsere bergische Tradition immer mehr in Vergessenheit gerät und würde mich sehr freuen, wenn man sie wieder mit neuem Leben erweckt. Ich höre immer wieder davon, dass Leute die Schüsseln mit Süßwaren voll haben und nicht ein Kind zum singen kommt, umgekehrt machen wir aber die oben geschilderten Erfahrungen. Dann kommt es auch noch, dass viele Menschen hier im Bergischen Land anscheinend die Tradition nicht mehr kennen. Das alles zusammen empfinde ich als ein Trauerspiel und ich würde mir wünschen, dass auch meine Enkel noch das Märten singen kennen lernen können. 

Ich finde es sehr schade, weil ich weiß, dass ich als Kind immer mit einem prallen Jutebeutel zu Haus angekommen bin. Wir haben uns immer mit den Kindern aus der Nachbarschaft zusammen geschlossen und sind um die Häuser gezogen. Es öffneten viele Türen und wir sangen unter anderem das traditionelle bergische Märten Lied, welches ich noch von meinen Eltern und Großeltern gelernt habe. Leider gibt es keine richtigen Liedertexte dazu, geschweige denn Noten, da es alles mündlich überliefert wird und in jedem Teil des Bergischen Landes in seinem Platt gesungen wird.  Ich habe es folgender maßen gelernt und hoffe, dass ich es noch zusammen bekomme:

Traditionelles bergisches Märten- Lied (aus meiner Erinnerung)

Märten, Märten, Märten is en juter Mann,

der uns jut wat gebn kann,

de Äppel un de Biernen,

Nösse jehörn och dazu.

Frau gev wat, Frau hol wat,

die Frau, die kütt de Trepp herab,

und grift ens en den Nüssjesack 

und will uns all wat jeven.

Frau lass uns net so lang hire stehn,

wir ham noch en weiten Wech zu jehn.

Van hier bis owwer de Rein

Morgen müssn ma drübbe sein.

Märten jut, Märten jut, Märten juut

Übersetzt klingt es wie folgt:

Martin, Martin, Martin ist ein guter Mann

der uns gut was geben kann.

Die Äpfel und die Birnen,

Nüsse gehören auch dazu.

Frau gebt was, Frau hole was.

Die Frau kommt die Treppe herrunter

und greift mal in den Nüssesack

Und will uns allen was geben.

Frau, lass uns nicht so lang hier stehen,

wir haben einen weiten Weg zu gehn.

Von hier bis über den Rein,

morgen müssen wir drüber sein

Martin gut, Martin gut, Martin gut

Auch wir waren in diesem Jahr wieder unterwegs und haben gemeinsam mit den Perlen Märten gesungen. Leider mussten wir wieder feststellen, dass es immer weniger Märten singende Kinder und immer weniger geöffnete Türen gibt. Dennoch hatten wir Spass und es gab auch ein paar Süßigkeiten für die Kinder als Anerkennung. 

3 Kommentare bei „Eine Bergische Tradition: das „Märtensingen““

  1. Echt? Das ist nur regional? Ich kenne es aber eher so, dass man in Läden singt (ich kommt nicht aus dem Bergischen, sondern bin Westfälin), und da gibts Süßigkeiten. Wir gehen auf Wunsch der Nachbarn eigentlich auch mit den Kindern, aber dieses Jahr haben wir es nicht geschafft. Übrigens kenne ich die Umzüge aus meiner Kindheit nur als katholische Tradition, bei uns gabs das nicht, hier machen es aber alle Schulen und KiGas, entsprechend (plus Arbeit) waren wir dieses Jahr zu gestresst bzw. wollten nicht grad um 20 Uhr in der Nachbarschaft klingeln.

    1. Ob es „nur“ regional ist weiß ich nicht genau. Aber ich hab schon oft die Frage gestellt bekommen, „was ist denn Märten“, wenn ich davon erzählt hab. Daher der Artikel😉 Hier ist es eher so, dass man zu privat Haushalten geht und das Märten Lied ist definitiv regional.

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