Fremd- Betreuung früher und heute- (m)ein subjektiver Vergleich

Ich bin die Tage bei twitter über ein Gespräch mit der Thematik Fremd- Betreuung gestolpert. Auslöser war ein vor kurzem Veröffentlichter Blogartikel, der für Aufruhr gesorgt hat. Ich muss gestehen, dass ich mich zwar in das Gespräch eingeklinkt habe, aber nicht den Artikel gelesen hab. Ich trat nämlich an der Stelle der Gesprächsrunde bei, als es um DDR- Methoden ging. Ich sagte, dass es nicht nur in der DDR komische Ansichten gab, sondern dass ich auch ein „geschädigtes“ Kind eines kath. Kindergarten im Westen bin. Das wiederum brachte mich auf den Gedanken einfach mal absolut subjektiv von meiner Zeit als KiTa Kind zu erzählen und diese mit der Zeit meiner Mädchen in der KiTa zu vergleichen, insoweit mir dies völligst subjektiv betrachtet, möglich ist. Und als nächstes folgte der Gedanke, dass ich ein recht negatibes Bild meiner KiTa Zeit hab, es aber sicher auch positive Zeiten gab, daher möchte ich auch von dir wissen, wie deine Zeit damals war. Auch streiten sich heute immer wieder alle möglichen über pro u. contra der „Fremd- Betreuung“ bzw. „Selbst- / Zu Haus Betreuung“. Lasst uns gemeinsam in Vergleichen aufzeigen, was sich von unserer Kindheit bis zur Kindheit unserer Kinder in Sachen Betreuung getan hat. Was war früher gut, was nicht und wie ist es heute. #betreuungsvergleich

Die „Fremd- Betreuung beginnt“

Ich wurde 1988 mit drei Jahren in die KiTa gegeben. Meine Eltern waren beide voll berufstätig. Zuvor war ich halbtags in einer Krabbelgruppe, in der U3 Kinder betreut wurden. An diese Zeit kann ich mich kaum erinnern. ich weiß nur, dass ich eine hellblaue Tasche hatte, in der ein Brettchen mit irgendeinem Kindermotiv drauf war. ich glaube es war Benjamin Blümchen. ich weiß auch, dass wir dort immer gemeinsam an einem sehr langen Tisch gefrühstückt haben. Aber das war es auch schon mit meiner Erinnerung an meiner U3 Betreuungszeit.

Meine Mädchen kamen beide schon als Säugling in die KiTa, in der sie bis zur Einschulung blieben/bleiben. Dies musste ich bei der Großen so machen, weil ich mitten in der Ausbildung war und es mir selbst nicht erlauben konnte diese aufzugeben. immerhin wollte ich meinem Mädchen später etwas bieten können. Meine Mini kam so früh in die Betreuung, weil ich zum einen unbedingt wieder arbeiten wollte und musste und zum anderen, weil ich sah, wie gut es der Großen dort erging.

Mit 3 Jahren kam ich dann in eine katholische Kindertagesstätte in eine s.g. Fremd- Betreuung. Es war eine der beiden Kindertagesstätten, die quasi in der Nachbarschaft waren. Die andere war eine Waldorf-Einrichtung. Laut meiner Mutter gab es dort aber keinen Platz für mich. Ich wurde ein KiTa Kind. Das heißt ich blieb über Mittag dort, aß und schlief dort und Nachmittags holte mich entweder mein Papa oder meine Mutter ab.

Meine Mädels sind/waren auch beide ab Anfang an KiTa Kinder. Mein Mann und ich gehen beide Vollzeit arbeiten. Bei der Großen konnte ich das Kind nicht Mittags abholen, weil ich in drei Schichten (Früh- / Spät-/ Nachtschicht) arbeitete und bei der kleinen, weil ich als Dauernachtwache arbeite und ein wenig mehr als nur 3 Stunden Schlaf brauche.

religiöse Erziehung und Frühstück

Ich weiß noch, dass wir Kinder uns morgens immer zum Kruzifix aufstellen mussten und erst mal das Vater unser gebetet wurde. Selbstverständlich mit kreuzschlag auf der Brust. Erst dann begann der KiTa Alltag. ich weiß, dass wir immer gemeinsam aßen. Morgens die Brote, die wir von zu Haus mitgebracht haben und Mittags das essen, welches gekocht wurde. Wir besuchten auch regelmäßig Gottesdienste, weil es einfach so sein musste. Wir mussten uns hinknien und der Priester erzählte viel über Sünden und was mit Sündern passiert ist. Zumindest kann ich mich nur daran erinnern.

Die Mädchen besuchen auch die Kirche mit der KiTa. Sie feiern Gottesdienste und ein Geistlicher kommt regelmäßig in die KiTa um mit den Kindern zu singen. Die Gottesdienste befassen sich mit der aktuellen Zeit im Kirchen -Kalender. Also mit Ostern, Weihnachten, Erntedank, St. Martin usw. Die Mädels haben mir noch nie etwas negatives von den Gottesdiensten erzählt und freuen sich immer, wenn wieder einer war. Sie singen Tage lang die Lieder und freuen sich, wenn sie mit der KiTa zu der Tagespflege der Caritas gehen um dort den alten Menschen etwas vorzusingen.  Die Mädchen müssen sich auch nicht zu Kruzifixen drehen und in deren Richtung beten. Zudem gibt es auch nicht in jeder Gruppe eines. Es werden außerdem auch nicht christliche Kinder in die Einrichtung aufgenommen.

Das Frühstück war früher, also bei der Großen ähnlich dem meinen. Man gab den Kindern etwas zum Frühstück mit und dann wurde in der Gruppe gegessen. allerdings immer in einem Zeitraum von 8-10 Uhr. So wie die Kinder hunger hatten. Bei Mini ist es so, dass wir monatlich ein Frühstücksgeld bezahlen und davon wird täglich ein frisches kleines Buffet gemacht. Mit Müsli, Brote, Obst Gemüse etc. So kann dann jedes Kind auch in dem Zeitraum etwas essen, was es zuvor mit vorbereitet hat. Das ist für die Kinder total schön. Jeder kann sich etwas von dem selben aussuchen. Jedes Kind lernt was auf dem Tisch ist und wird mit einbezogen. Dieses einbeziehen animiert die Kinder zum Beispiel auch mal eher nach der Rohkost zu greifen. Es ist nämlich ungemein spannend etwas zu essen, was man zuvor geschnibbelt hat.

Mittagessen früher „Horror“, heute „individuell“ 

Was ich auch super furchtbar empfand war das Mittagessen. Alle Mittagskinder saßen in einer Gruppe an einem großen Esstisch. Dort wurde das Essen mit einem Servierwagen verteilt. Jeder bekam von allem etwas auf den Teller, auch wenn man das nicht mochte. „Was auf den Tisch kommt ist wird gegessen!“. Wenn man mit seiner Portion fertig war und gefragt wurde, ob man noch einen Nachschlag möchte sollte man nie sagen „Nein, danke.“. Dieses „danke“ animierte die Erzieher nämlich dazu noch einen Nachschlag zu geben. Daher habe ich schnell gelernt einfach nur „Nein“ zu antworten. Das schlimmste aber war, wenn man sein essen nicht bis zur Mittagsruhe auf hatte, dann musste man an einem Tisch vor dem Schlafraum sitzen und so lange essen, bis der Teller leer war. Egal ob das Essen einem schmeckte oder nicht. Und danach wurde sich hingelegt. Selbst wenn die anderen Kinder bereits fertig waren mit Mittagsruhe halten.

Meine Mädels essen auch mittags in der KiTa. Dort wird aber berücksichtigt, was die Kinder mögen und was nicht. Ws ich persönlich gut finde ist, dass es ein „Iih, dass mag ich nicht“ nicht gibt. Es gilt die Regel, das man zumindest mal probiert, was da in den Schüsseln ist und man nicht von vornherein „Iih“ sagt. Wenn das dann wirklich nicht gemocht wird, dann ist es kein Problem.- die Kinder bekommen auch nur kleine Portionen, so dass sie sich lieber noch einmal eine oder zwei oder drei kleine Portion nachnehmen, als dass man die Hälfte vom Teller wegschmeißt. Es gibt auch immer etwas zu trinken. Die Kinder essen gemeinsam und es wird kein Druck ausgeübt und wenn man sich doch zu viel genommen hat und es nicht schafft, dann wird keiner dazu gezwungen aufzuessen. Desweitern wird zum Beispiel auf die muslimischen oder vegetarischen Kinder Rücksicht genommen. Auch Kinder mit Allergien und Unverträglichkeiten bleiben nicht auf der Strecke.

Mittagschläfchen

Kommen wir zur Mittagsruhe. ich habe sie gehasst und musste diese einhalten, bis ich eingeschult wurde. Jeden Mittag war von 13-15uhr schlafen angesagt. Es gab eine Erzieherin/ Nonne, die hielt „Aufsicht“. Wenn sie einen beim reden erwischt hat, wurde derjenige mit seinem Bettgestell und dem Schlafsack in die Abstellkammer gestellt und musste dort zwischen den Eimern und Besen weiter ruhen. Alleine. Im dunkeln. Mit Spinnen!

Bei der Großen gab es diese Mittagschlafregel auch. Bis sie in das Jahr der Vorschule kam. Im letzten KiTa Jahr war der Mittagsschlaf freigestellt. Aber davor wurde auch kein Kind separattisiert, nur weil es nicht still liegen wollte. Sie bekamen auch immer eine Geschichte vorgelesen.

Bei Mini ist es so, dass es nur noch eine Gruppe, die U3 Gruppe, gibt, in denen Mittags die Kinder schlafen. Aber auch nur die Kinder, die es brauchen. Das heißt, wenn der 2 Jährige *Peter* nicht müde ist, muss er nicht schlafen. natürlich mit Rücksprache mit den Eltern und wenn die 5 Jährige *Lieselotte* noch schlafen möchte, dann geht sie rüber in diese Gruppe und kann dort schlafen. Es ist auf das individuelle Bedürfnis abgestimmt und das finde ich gut. Diese neue Regelung brachte die neue KiTa Leitung mit, die auch das Buffet zum Frühstück eingeführt hat.

Das letzte KiTa Jahr

Die Vorschulzeit war für mich auch nicht so toll! Ich weiß noch, dass wir ein 500 Puzzle machen mussten. Jedes Vorschulkind. Egal ob draußen das herrlichste Wetter war. Ich musste dieses dumme Puzzle machen. Auch sollte ich einen Webrahmen fertigstellen sowie einen Rundwebrahmen. Zudem musste ich noch bestimmte Bastelarbeiten machen. Ständig wurde erzählt, dass man diese Dinge erst zur Zufriedenheit beenden musste, damit man eingeschult werden kann. Ich war unglaublich glücklich, als ich eingeschult wurde, obwohl ich echt schiss hatte, weil ich meinen Rundwebrahmen bis heute nicht beendet habe. In der KiTa, die heute noch existiert, liegt sicher noch ein kleiner Karton mit meiner nicht beendeten Arbeit auf dem in großen Buchstaben „Katharina, Einschulung voraussichtlich 1991“ steht.

Die Große hat auch ein Vorschuljahr gehabt und Mini steht es nach dem Sommer bevor. Bei Ihnen ist/ war es aber so, dass die Vorschulkinder Ausflüge machen. Sie gehen z.B. zur Feuerwehr, zum Wochenmarkt, besichtigen eine Grundschule oder die Polizei kommt um Verkehrslehre zu vermitteln. Sie lernen ein wenig die Uhr und das Schleife binden. Aber auch den eigenen Namen schreiben wird beigebracht, wenn die Kinder es bis dahin nicht können. Sie lernen Zahlen und einzelne Buchstaben. Sie werden darauf vorbereitet, dass sie den Schulweg bestreiten können, dass sie sich alleine ankleiden können und dass sie bald einen neuen Abschnitt im Leben bestreiten. Alles wird aber sehr liebevoll vermittelt. Zeichnen, zählen und schreiben lernen die Kinder schon vor dem Vorschuljahr in spielerischer Art und Weise. Alles individuell und wie das Kind Interesse zeigt. Den Kindern wird aber nicht vermittelt, wenn sie dies und das nicht machen, werden sie nicht eingeschult.

Abschließend kann ich sagen, dass meine Zeit in der Fremd- Betreuung im Vergleich zur Zeit meiner Kinder deutlich vom Horror geprägt war. Natürlich gab es auch schöne Tage, an denen wir gebaut, geturnt und draußen gespielt haben, aber diese blieben mir kaum in Erinnerung. Ich habe die Zeit einfach nur als „schwarzer Horror“ im Gedächtnis.  Meine Mädchen sind von Ihrer Kita begeistert. die Große erzählt immer mal wieder was sie so gemacht haben. Aber wirklich schlechtes ist nicht in Erinnerung. Sie erzählt von gemeinsamen Bastelaktionen mit den Eltern, von Kita Festen und von Ihren Freunden, die sie dort hatte. Ich sage völligst subjektiv, das sich die sogenannte „Fremdbetreuung“ von heute im Vergleich zu früher deutlichst gebessert hat. Natürlich wird es hier und da noch Verbesserungen geben, aber ich bin mit der Betreuung meiner Mädchen wirklich zufrieden. Vor allem seit dem die neue KiTa-Leitung so viel neuen Wind in die Einrichtung gebracht hat.

Ach und was ich noch nicht verraten habe… ich erwähnte je, dass ich als Kind in einer katholischen Einrichtung war, meine Kinder sind dies im Übrigen auch. Zum einen weil ich bei der Großen keine andere Wahl hatte (auch wenn ich mir mal Gedanken machte, ob es anders besser gewesen wäre) und zum anderen, weil wir uns dort unglaublich wohl fühlen und ich froh bin, dass die KiTa auch die religiöse Erziehung mit einbindet. Auch wenn wir nicht katholisch, sondern evangelisch sind. Es ändert ja nichts am Glauben, nur an manchen Ecken an der Art der Umsetzung.

Wie war deine Zeit in der KiTa, im Kindergarten oder wurdest du nicht „Fremd- Betreut“ ? Wie würdest du diese Zeit von früher mit heute vergleichen? Schreib doch auch was dazu. Ich rufe nämlich zur Blogparade >> #betreuungsvergleich << auf, allerdings vorerst ohne Deadline. Ich würde mich freuen, wenn du Lust dazu hättest und deinen Artikel in den Kommentaren verlinken würdest. Natürlich solltest, du meinen Artikel in deinem Beitrag als Idee dazu erwähen. Falls du keinen Blog hast, aber gern einen Vergleich machen würdest, dann kannst du es sehr gern als Gastartikel auf meinem Blog machen. Schick mir einfach eine Mail dazu.

4 Replies to “Fremd- Betreuung früher und heute- (m)ein subjektiver Vergleich”

  1. […] hab eine Blogparade zum Thema Fremdbetreuung, wie war es früher (als ich Kind war) und wie ist es heute  (bei meinen […]

  2. Ich kann deine Erinnerung gut nachvollziehen. Aber vielleicht erzählen Kinder nicht alles und erst im Nachhinein bleiben nur die negativen Dinge hängen?

    1. Daher möchte ich ja den subjektiven Vergleich starten. Alles aus eigener Sicht. Ich beschrieb ja auch, dass es wohl gute Tage gab, aber sich mir die negativen Aspekte deutlichst eingeprägt haben. Ich berichte auch, wie ICH die Dinge in der KiTa meiner Kinder sehe. Was sie dazu sagen werden, dass ist mir jetzt noch nicht möglich zu sagen.
      Aber wie war deine Zeit früher? Wie siehst du im Vergleich dazu die zeit deines Kindes heute dazu?

  3. Hallo,

    eine schöne Blogparade zu einem sehr interessanten Thema! Da habe ich gerne mitgemacht 🙂

    https://aktiv-mit-kindern.com/2017/06/28/ein-vergleich-kindergarten-frueher-vs-heute/

    Liebe Grüße,
    Lisa

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