Aussagen, die den Dolch noch tiefer in die Wunde schieben

Ich habe letztens ein Gespräch mit einer Freundin geführt.

Sie hat mich kontaktiert und fragte,  wie es damals bei mir war,  als ich die große in eine „Fremdbetreuung“  gegeben habe nach der Elternzeit.

Sie berichtete,  dass sie wieder in den Arbeitsalltag eintritt und ihre kleine schon ein Jahr alt sei.
Mir wurde mal wieder bewusst, dass die Zeit echt rennt!

Jetzt habe sie aber ein schlechtes Gewissen. Einmal der kleenen gegenüber und auch etwas sich selbst gegenüber.
Sie würde von vielen Seiten diese Sprüche hören. 
Diese, die einer Mama oder einem Papa, den wieder Einstieg in den Beruf echt schwer machen. 
Diese die einem schwer auf der Schulter liegen.  Diese,  die einem prophezeien, dass man doch ein schlechtes Elternteil sei….

Ich finde es so unglaublich schrecklich, so fies und gemein,  dass man noch heute und wir haben 2015, einem einen Vorwurf machen muss,  wenn man sein Kind in gute Hände gibt um Geld zu verdienen.

Ich meine, Hallo?
Früher in der DDR war es Gang und gebe,  dass Kinder früh in die Betreuung gegangen sind. In den Niederlanden ist es Gang und gebe,  dass Kinder früh betreut werden und ich glaube sogar in der Schweiz ist es so.
Hier kommt es zunehmend. Der Ruf nach Plätzen für unter ein jährige wird doch immer lauter.
Ich persöhnlich sehe im allgemeinen nicht,  dass es einem Kind schadet. Natürlich gibt es Kinder,  denen es etwas schwerer fällt,  aber ein Schaden? Ich glaube nicht. 

Warum muss man uns Eltern, die zurück in den Job gehen und es sich selbst sowieso nicht unbedingt leicht machen,  es noch schwerer machen? Warum muss man uns arbeitende Eltern Vorwürfe machen.
( Was wir arbeitenden Eltern nicht gerne hören habe ich hier schon mal verbloggt. )

Es sind meistens diese Art von Aussagen, die den Dolch noch tiefer in die Wunde schieben. Ich glaube,  dass es jedes Elternteil schmerzt,  wenn man wieder arbeiten geht und das Kind in eine Betreuung gibt.
Ganz egal ob es eine Tagesmutter, die KiTa oder ein Familienmitglied ist.
Es schmerzt,  weil man nicht mehr jeden Entwicklungsschritt, jedes lachen,  jedes neue Wort sofort mit erlebt.

Doch ist es heute wohl nur noch in den wenigsten Familien möglich, dass nur einer arbeiten geht.
Das Leben wird immer teurer und man möchte sich und den Kindern einen gewissen Luxus ļeisten. Ich glaube nicht,  dass ich mich mit dieser Aussage zu weit aus dem Fenster lehne.

Ich vertrete  ja folgende Ansicht:

Der Schmerz ist positiv.  Er zeigt,  dass man das Kind liebt und aufgrund der liebe geht man wieder arbeiten,  weil man dem Kind das beste Leben ermöglichen möchte.

Des weiteren empfinde ich persönlich ja,  dass der Job eine willkommene Abwechslung zum Familienalltag ist.
Ich bekomme eine Bestätigung für meine Arbeit. Ich kann mich außerhalb der Familie über andere Themen unterhalten. Mir tut es gut.
Den Kindern tut es aber genauso gut.
Zum einen weiß ich,  dass sie gut aufgehoben sind und zum anderen bin ich entspannter,  wenn ich arbeiten gehe und etwas anderes als nur die eigenen 4 Wände sehe.

Und auch wenn ich für mich meinen Weg gefunden habe,  den Alltag dementsprechend neu strukturiert und organisiert (was natürlich nicht ausbleibt! ) habe, mache auch ich mir noch ab und zu Vorwürfe und mein schlechtes Gewissen meldet sich. So wie hier zum Beispiel.

Dieses habe ich auch alles meiner Freundin erzählt und ich glaube,  dass es ihr gut getan hat.
Sie ist mittlerweile wieder im Job und noch habe ich nicht gehört,  dass es furchtbar ist. Ich deute es als positives Zeichen und freue mich,  dass sie sich nicht von diesen Sprüchen hat ins Boxhorn schlagen lassen.

Trotz meiner Ansichten habe auch ich mir mal Gedanken gemacht,  ob ich es damals richtig gemacht habe. Oder ob es anders besser gewesen wäre.  》klick

Wie seht ihr dieses Thema?

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5 Replies to “Aussagen, die den Dolch noch tiefer in die Wunde schieben”

  1. Oh man, ich weiß genau was du meinst.
    Die Perle musste damals mit zarten vier Monaten wieder arbeiten gehen denn ja, in den Niederlanden ist es üblich nur 3 Monate Elternzeit zu haben. Das war mir persönlich auch zu wenig, aber was soll man machen, ich musste ja arbeiten gehen. Und letztendlich war es gut. Ich hatte neben Windeln und Fütterungszeiten noch andere Aufgaben und die Perle hat sich wunderbar bei der Tagesmutter (und später in der Kita) zurecht gefunden. Aber ganz ehrlich: Hätte ich die Wahl gehabt, ich wäre ein ganzes Jahr zu hause geblieben.

    1. äh, die Perle musste nicht arbeiten gehen, ich musste arbeiten gehen als die Perle 4 Monate alt war. 😀

      1. Das hab ich mir schon gedacht😉
        Ich finde es schön, dass ich mir der Meinung nicht allein da stehe und hoffe nur, dass irgendwann viel mehr Leute für dieses Thema sensibilisiert sind und nicht so verletzend sind in ihren aussagen.

  2. Ich verstehe zu gut was du meinst und ich denke das du es richtig gemacht hast,denn falsche Sachen machen die wenigsten Mütter,man entscheidet nach Bauchgefühl ob man es dem Kind zumuten kann.
    Und wer kennt sein Kind besser als seine eigene Mutter.
    Aber ich kenne den Fall,wenn Mann zuhause ist und ich als Mama arbeiten gegangen bin 3 Schichten Altenheim,nach Arbeit Ko nachhause.
    Und grade wo sie klein waren hmmm wie soll ich sagen,man war ein Stück weit eifersüchtig auf den eigenen Partner ohne es zu wollen,aber der hat einfach mehr mitbekommen als man selber.
    Mittlerweile ist das für mich voll okay,er gibt mir die Chance beruflich weiterzukommen und meinen beruflichen Traum zu erreichen nur zwischendurch hat man mal dieses Tief was ausgelöst wird durch bestimmte Momente oder wie du schon sagst Sätze .
    Aber wir machen es sicher nicht falsch,denn sonst würden wir uns anders entscheiden,glaube wir würden es merken wenn wir dahingehend unsere Kleinen schaden würden.
    sunshineladytest.de

  3. Ich verstehe das sehr gut, immerhin habe ich solche Diskussionen schon mehrfach verfolgt. Das Traurige ist einfach, dass man genauso angefeindet wird, wenn man „zu lange“ zu Hause bleibt.
    Ist es nicht so, dass jede Familie ihren eigenen Weg finden muss und es kein allgemeines richtig oder falsch gibt?
    Bambina hätte eine frühe Fremdbetreung geschadet, aber nicht weil ein Kind nur bei Mama gut aufgehoben ist, sondern wei lsie ihre ganz persönliche Geschichte hat.

    Und ich empfinde den Trennungsschmerz und Day schlechte gewissen auch als gutes Zeichen 🙂

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