Mutterschaftskodex- Darf die rosarote Brille der Schwangerschaft mal abgesetzt werden?

Ich habe durch die liebe Herzmutter Janina einen Beitrag von der Bloggerin Sarah und durch diese einen Artikel von der Bloggerin Anna gelesen und dachte mir, da musst du unbedingt etwas zu bloggen.

Sarah berichtete nämlich über die nicht so ganz rosaroten Rosa-Wolken Ihrer Schwangerschaft.

Ich habe mich prompt wieder erkannt, nachdem ich mir meine beiden Schwangerschaften noch einmal habe durch den Kopf gehen lassen und auch noch mal im Schwangerschaftstagebuch der GroßenMaus geblättert habe.

Also ich möchte jetzt keinem die Schwangerschaft madig machen, aber sie ist wirklich nicht immer so schön, wie sie häufig dargestellt wird. Natürlich wird es die werdenden Mütter geben, bei denen wirklich alles rosig verläuft. Diese „bald“ Mütter werden nie krank, sie nehmen nicht mehr wie 12kg zu und sind immer gut gelaunt.

Meine Schwangerschaft ist ganz sicher nicht die allerschlimmste. Im Gegenteil, ich hatte eher eine humane Schwangerschaft, aber mir geht es hier eher um die breite Masse, wie es auch Janina, Anna und Sarah schon ging. Es wird wohl zu wenig darüber gesprochen/ bzw. geschrieben.

So wie Anna, Sarah und Janina schon geschrieben haben: entweder können sich die Frauen nicht mehr daran erinnern, weil die Muttergefühle nach der Schwangerschaft einfach so überwältigend waren, oder sie nehmen Rücksicht auf ihre Umwelt, weil sie davon ausgehen, dass niemand gern eine schwangere Frau klagen hören möchte. Das passt nicht ins Bild, ihr versteht?!

 Hier kommen meine Fakten zur nicht ganz so rosaroten Welt meiner Schwangerschaften:

Auseinandersetzung mit dem Fakt „Man ist Schwanger“

Bei mir war meine erste SS alles andere als geplant. Ich war schockiert. Mein heutiger Mann und ich waren zu dem Zeitpunkt gerade mal 6 Monate zusammen. Ich stand im ersten Lehrjahr und er mitten im Studium. Natürlich mussten wir uns mit dem Gedanken „Schwangerschaft“ und „Was bringt das mit sich„ auseinandersetzen. Wir haben auch das Pro und Contra eines Kindes abgewogen. Auch wenn für mich eine Abtreibung nicht zur Debatte stand. Dennoch mussten wir drüber reden und uns damit Auseinander setzen.

Die zweite Schwangerschaft war geplant. Da ging es eher um das Thema, „Wann werde ich endlich schwanger“ und „Wieso hat es schon wieder nicht geklappt“.

 Anhaltendes Sodbrennen

Ich wurde in beiden Schwangerschaften durch alle Trimester von anhaltendem Sodbrennen geplagt. Natürlich andere Schwangere haben diese lästige Morgenübelkeit. Aber glaubt mir, dass ständige brennen im Hals/Rachen/Magenraum ist auch nicht gerade angenehm. Man stößt ständig auf und es ist einfach widerlich. Man darf nicht vergessen, man kann zwar Mittel gegen Sodbrennen nehmen, aber so sonderlich hilft es auch nicht. Schließlich habe ich noch kein Mittel gesehen, welches man wie Schokolade dauernd essen kann.

Die berühmten Stimmungsschwankungen

Es ist nicht so, dass man in einem Moment Himmel hoch jauchzend und im anderen zu Tode betrübt ist. Gut, dass kann es auch mal geben, diese abrupten Stimmungsänderungen.

Aber man hat auch irgendwann den Punkt in der Schwangerschaft, wo man einfach nur unheimlich besorgt ist. Wird alles gut gehen?“, „Wird das Kind gesund sein?“, „Steht der werdende Papa wirklich zu seinem Kind?“, „Werde ich wirklich Unterstützung von der Familie bekommen?“, „Sehe ich noch gut aus für meinen Freund?“, „Was wird sich durch mein Baby alles verändern?“, „Was wird aus meiner Arbeit?“ usw. Und schon hat man ein schlechtes Gewissen, weil man sich mit diesen Gedanken beschäftigt. Schließlich wird einem doch suggeriert, dass man sich doch eigentlich nur freuen soll, da man ein Baby bekommt.

 Ständige Müdigkeit

Da geht man arbeiten und kommt nach Hause und will nur noch auf die Couch oder alternativ ins Bett. Man hat das Gefühl gar nicht mehr richtig wach zu werden. Ständig könnte man überall einschlafen, weil man einfach so Müde ist. Das liegt nicht nur an der Hormonellen Umstellung. Man kann auch irgendwann einfach nicht mehr schlafen, weil man:

  1. durch die Zunahme der Rundungen nicht mehr zu liegen weiß,
  2. Das anhaltende Sodbrennen ein einschlafen fast unmöglich macht und
  3. Das Baby dann boxen und tanzen gleichzeitig will, wenn du eigentlich schlafen möchtest.

 Glänzendes Haar, kräftige Nägel und rosige Haut

Es heißt doch, dass man wunderschönes Haar, kräftige Nägel und schöne Haut bekommt, wenn man Schwanger ist. Pah! Bei mir war außer den kräftigen Nägeln nix drin. Ich hatte furchtbar trockenes und splissiges Haar, welches mir ständig am Haaransatz abbrach. Und meine Haut durchlebte quasi Ihre zweite Pubertät.

 Kindsbewegungen

 Es ist einfach traumhaft, wenn sich das Kind das erste Mal bewegt. Diesen Moment werde ich nie vergessen und ich denke, so ergeht es allen Mamas!

Aber irgendwann, dann kommt der Punkt, an dem man sich wirklich gestört, zum Teil schon gequält fühlt. Man kann nicht mehr schlafen, man wird ständig zur Toilette getrieben, weil jemand auf der Blase Samba tanzt. Man könnte beim Essen bereits alles wieder ausspucken, weil jemand von unten gegen den Magen boxt. Natürlich brauchen die lieben Kleinen Platz und den versuchen sie sich einzufordern, vor allem im letzten Trimester.

Schwangerschaft = Krankheit ?

Sobald man schwanger ist verändert man sich nicht nur selber.

Nein, auch das Umfeld, welches einen umgibt verändert sich. Es ist traumhaft, wenn man jeden Wunsch von den Augen abgelesen bekommt. Man kann das richtig genießen und es tut einfach gut. Bis zu einem gewissen Punkt. Wenn das Umfeld es nämlich zu gut meint, fühlt man sich schnell entmündigt. Da wird es schon schwer, wenn man sich nur einmal selbst bemühen möchte um sich etwas zu trinken zu holen. Oder wenn man eine kleine Einkaufstüte die Treppe herauf trägt. Ständig heißt es, „Tue dies nicht, tue jenes nicht“. „Das ist zu schwer, jenes ist zu schwer“ und „Du sollst dich nicht bücken/ Du sollst nicht schwer heben, das ist nicht gut für das Kind“. „Lege dir doch die Beine hoch, du bist schließlich Schwanger“. GENAU! Schwanger, nicht Krank!

 Allgemeine Zunahme des Volumens

 Nicht, dass nur der Babybauch wächst. Was ja echt total schön ist. Und man freut sich um jeden Zentimeter, den man mehr wird. Bis man sich irgendwann nicht mehr vernünftig hinters Steuer setzten kann, geschweige denn sich anschnallen kann. Nein, das Volumen der Beine nimmt auch zu. Man lagert ewig viel Wasser ein. Die Schuhe beginnen zu drücken und man läuft am liebsten nur noch Barfuß. Wobei… man versucht nur noch die Beine extra hoch zu legen, damit das Wasser verschwindet Und die Schmerzen erträglich werden. Und der Hintern geht auf wie ein Puffelskuchen. Ich konnte jedem Nilpferd Konkurrenz machen!

Super Mommy

 Als angehende Mama wird man auf das Super Mommy sein vorbereitet. Man darf in der Schwangerschaft nicht Krank werden. Man hat nämlich nicht die Möglichkeit auf irgendwelche Arzneien zurück zu greifen und selbst Hausmittelchen sind nicht alle Ratsam. Bevor man sich z.B. eine Kopfschmerztablette nimmt, liest man den Waschzettel. Dort steht natürlich drinnen, dass man dieses Medikament noch nicht in der Schwangerschaft getestet hat. Natürlich! Ich würde mich auch nicht als Versuchsperson zur Verfügung stellen. Dann weiß man nicht, was aus dem Baby wird, wenn man etwas nimmt. Ich sage nur: Contergan-Kinder. Also lässt man es bleiben. Bei einem einfachen Erkältungs- oder Entspannungsbad steht auf der Packungsbeilage, dass dies zu Kreislaufproblemen führen kann. Die Hebamme erzählt einem etwas von Frühwehen auslösen etc. Also man muss quasi Super Mommy Gene entwickeln, weil man nix einnehmen kann. Und Kopfschmerzen können die Hölle werden. Ich bin nur froh, dass ich nie Zahnschmerzen hatte oder schlimmeres.

 Zu guter letzt: Einigelung

 Man wird lustlos. Man ist dauernd müde. Man will sich einfach nur hinlegen, wenn man mit der Arbeit fertig ist. Dadurch passiert es, dass man mit dem Verlaufe der Schwangerschaft immer häufiger seinen Freunden/ der Familie etc. absagt. Man nimmt Verabredungen nicht mehr wahr, man zieht sich in sein Schneckenhaus zurück. Hinzu kommt, dass Leute, die nicht Schwanger sind und es bisher nicht waren dieses Verhalten nicht nachvollziehen können. Die wissen nicht, dass es für einen täglich anstrengender wird. Das man sich eine Pause gönnen möchte und es wirklich nicht böse meint. Oder, dass man nachts nicht ewig durch die Kneipen ziehen kann. Wie sieht dass den aus? Hoch Schwanger und dann in verrauchten Kneipen. Das gehört sich nicht. Man kann dem Baby damit in gewisser Weise schaden und da man ja ständig unter die Nase geschmiert bekommt, wie man sich als Schwangere gerade nicht verhalten soll, lässt man das auch sein.

Wenn dann das Baby da ist, merkt man schnell, wie klein der Freundes-/Bekanntenkreis plötzlich ist. Man wird behandelt wie eine Aussätzige. Man wird nicht mehr gefragt, ob man sich mal treffen möchte etc. Gut, ich habe mich in der Schwangerschaft zurückgezogen, aber jetzt bin ich mental wieder etwas fitter, habe an Volumen abgenommen und würde mich über Besuch freuen. Oder gerne in der Stadt nicht alleine mit dem Kinderwaagen einen Kaffee trinken. Aber anscheinend ist aus der „Krankheit“ jetzt ein „Übel“ geworden und nicht einfach ein Baby. Die Arbeitskollegen haben sich per Gratulationskarte gemeldet und können nicht verstehen, dass man sich nach der Arbeit sehnt. Schließlich hat man doch quasi Urlaub. Klar, ich habe Frei von der Arbeit, aber dafür habe ich den ganzen Tag einen Fulltimejob und der nennt sich GroßeMaus und MiniMaus. Man sucht förmlich nach sozialen Kontakten und die sind wie gesagt mit und mit immer weniger geworden. Das ist schmerzhaft, richtig schmerzhaft. Aber zum Glück hat man noch eine Hand voll Menschen, die mit einem durch die Schwangerschaft gegangen sind und auch die Zeit mit dem Baby mit einem genießen.

Also ich möchte noch einmal sagen, dass ich jetzt keinem die Schwangerschaft madig machen will. Ich wollte nur mal los werden, dass man nicht immer alles Glauben soll, was einem erzählt wird.

Die Schwangerschaft ist etwas Schönes und man bekommt ein kleines Wunder in Form eines Babys, welches unter dem Herzen heran wächst.

Aber die Schwangerschaft ist wirklich nicht immer Zuckerschlecken.Es ist eine Anstrengende Herausforderung für die werdende Mama. Nicht nur mental und emotional auch Körperlich.Man macht in der Zeit der Schwangerschaft so viel durch.

Man kann die Schwangerschaft nicht immer nur durch die rosarote Brille betrachten.

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