“Nein, los, wek“ ~ giftige Eifersucht

Oh man, meine MiniMaus hat im Moment Arten an sich, da könnte ich mir die Haare raufen.
Also die übliche „Trotzphase“ und das „Ich teste meine Grenzen aus“ ist ja alles normal. Das hat jedes Kind, mal etwas stärker und mal etwas schwächer, als bei anderen Kindern oder Geschwistern.
Ich finde, das sind absolut normale Abschnitte in der Entwicklung eines Kindes auch wenn sie zum Teil echt anstrengend für die Eltern sein können! Aber das brauchen Kinder um für sich abzustecken, was darf man, was nicht. Was ist erhört und was nicht, nach welchen Regeln muss ich spielen und wo kann man mal diese Regeln etwas dehnen. Ich denke der Prozess beginnt jetzt und endet hoffentlich nach der Pubertät, wobei eigentlich endet dieser Prozess wohl nie, wenn ich so meine Eltern Frage. Er wird nur erträglicher, in Ihren Augen.

Wir stecken aber zurzeit nicht nur in den bekannten Phasen, sondern in einer Phase der absoluten Eiversucht. Normalerweise heißt es ja, dass größere Geschwister eifersüchtig auf die kleinen werden, weil diese von Mama und Papa, aber vor allem wohl von Mama, viel Zeit und Aufmerksamkeit brauchen. Die plötzlich „großen“ Geschwister werden eingespannt, in den Alltag und die Unterstützung bei kleinen Aufgaben des Alltags. Die Erwartungen der Eltern ändern sich. Man erwartet von dem jetzt großen Bruder/ der großen Schwester, dass sie eine Funktion des Vorbildes einnimmt. Der große Geschwisterteil muss selbstständiger werden. Und es muss selbstverständlich eine gewisse Art von Einsichtigkeit mitbringen, dass man jetzt seine Zeit unter zwei oder mehr Kindern aufteilt.

Bei uns ist es aber nicht die GroßeMaus, die auf die MiniMaus eifersüchtig ist, sondern die MiniMaus ist auf die GroßeMaus eifersüchtig. Aber nur, wenn die GroßeMaus zur Mama geht und nicht wenn die GroßeMaus zum MäusePapa geht. Dabei hat eigentlich die GroßeMaus allen Grund um ggf. eifersüchtig auf die MiniMaus zu sein.

Ich muss zugeben, dass ich viel von der GroßenMaus erwarte. Das aber schon von Anfang an. Mich beschreibt man als eine strenge Mama, die Ihre Prinzipien hat in Sachen Erziehung. Das setze ich auch durch. Ich liebe meine Mäuse aus ganzem Herzen und auch, wenn ich ein Ausgesprochenes „Nein“ konsequent beibehalte, heißt es nicht, das ich böse mit meinen Mäusen bin.

Ich möchte also, dass die Mäuse genau wissen, was sich gehört. Sie sollen wissen, dass es Bitte und Danke heißt, dass man Rücksicht auf seine Mitmenschen nimmt und sich nicht zu schade ist, um Hilfe anzubieten etc. Bis jetzt haben wir unseren Job ganz gut gemacht, behaupte ich jetzt mal.

Die GroßeMaus ist von Beginn an der Schwangerschaft mit einbezogen worden, von Ultraschall Untersuchungen, über Bauch eincremen bis hin zur Gestaltung des Kinderzimmers und der neuen Einrichtung. Die GroßeMaus durfte überall mithelfen und bekam von mir und dem MäusePapa ganz genau erklärt, dass unsere Eltern Herzen ganz groß sich. Wir haben Ihr erklärt, dass unsere Herzen aussehen wie ein großes Haus mit vielen gleichgroßen Zimmern. Ein Zimmer sei noch frei und dort würde, neben dem Zimmer der Liebe zur GroßenMaus, jetzt auch die Liebe zur MiniMaus einziehen. Die GroßeMaus hat das verstanden und alles war gut.

Die MiniMaus ist jetzt unsere eifersüchtige. Alles war bis jetzt gut. Ich hatte nie groß das Gefühl, dass Eifersucht zwischen den Mäusen eine Rolle spielt. Sie sind unzertrennlich, sie lieben sich und sie halten zusammen (sehr zum Leidwesen von uns Eltern 😉 ) Jetzt im Urlaub merkte ich das erste Mal richtig deutlich, dass die MiniMaus richtig eifersüchtig auf die GroßeMaus ist. Beispiele:

  • Wir sind auf dem Weg zum Essen, ich habe die GroßeMaus an der Hand und die MiniMaus sieht das. Sie beginnt direkt zu schreien: „Los , wek, wek, los“ Die MiniMaus wirft sich auf unsere, in einander liegenden, Hände und versucht diese zu trennen, sie will Ihre Schwester hauen und lässt große Tränen kullern.
  • Wir liegen auf dem großen Bett und albern rum. Die GroßeMaus möchte kuscheln und ich nehme sie in meine Arme. Die MiniMaus sieht das und flippt förmlich aus. Sie schreit wieder rum und haut wie wild auf die GroßeMaus ein. Der MäusePapa schimpft energisch mit der MiniMaus, ich tröste die GroßeMaus.

Wir halten die zweite Situation eine dreiviertel Stunde durch. Ich habe die ganze Zeit die GroßeMaus im Arm und versuche der MiniMaus sagen und zu zeigen, dass ich noch einen zweiten Arm habe, in den ich sie nehmen möchte. Wir versuchen der MiniMaus zu erklären, dass wir beide Kinder lieb haben und beide mit uns kuscheln dürfen. Die MiniMaus tobt eine dreiviertel Stunde. Mit der Zeit wird das toben Ihrerseits weniger und die Tränen beginnen zu versiegen. Nachdem Sie fertig ist krabbelt sie zu mir in den andern Arm und sagt nur:“Lieb“. Minis Hand krabbelt über meinen Bauch hinweg zur GroßenMaus und dort streicht sie über Ihren Arm. Die große sieht die kleine an und sagt nur „Bis zum Mond und wieder zurück haben wir uns lieb“.

Von da an, wirkte es wesentlich entspannter zwischen uns allen. Die kleine konnte akzeptieren, dass ich auch die GroßeMaus an die Hand nahm. Zwar rief die MiniMaus immer erst:“Nein, los, wek“, aber dann kam sie zu meiner anderen Hand und nahm diese und lachte die GroßeMaus nur an. Es sind immer noch kleine Situationen, in denen man ganz deutlich merkt, dass die MiniMaus auf die GroßeMaus eifersüchtig ist, aber ich weiß einfach nicht genau, wie ich es komplett ausmerzen soll. Es ist schon schwer genug, der MiniMaus deutlich zu machen, dass man beide Mäuse gleich Liebt. Und dann kommt noch hinzu, dass die GroßeMaus am Abend vor der Situation mit dem Kuscheln in unserem Bett, zu mir kam und fragte, warum ich die MiniMaus mehr Lieb haben würde. Mir gefror das Blut in den Adern, ich musste schlucken und die Tränen liefen. Ich habe meine Große in den Arm genommen und Ihr erklärt, dass es nicht so sei und ich es nicht gut finde, dass die MiniMaus so eifersüchtig ist. Ich habe der Großen gesagt, dass sie es nie glauben darf, dass ich eine von den Mäusen mehr lieben würde als die andere. Das nur manchmal ein Kind mehr Aufmerksamkeit braucht, als das andere, vor allem wenn eine Maus etwas anstellt, etwas besonders schönes/liebes tut oder so eifersüchtig ist.  Das es  aber nix mit der Liebe zu einem der Mäuse zu tun hat. Die Große nahm mich in den Arm und sagte, ich solle nicht traurig sein und sie wisse ja, dass alle Räume der Liebe gleich groß sind. Und das wir das alles gemeinsam schaffen, dass die MiniMaus lernt, dass die GroßeMaus Ihr nicht die Mama wegnehmen will. In diesem Moment dachte ich, das meine GroßeMaus grade eher die Mama ist, als Ich.

Ich frage mich, was ich falsch gemacht habe oder ob ich überhaupt etwas falsch gemacht habe. Ist es vielleicht doch normal, dass die kleinen eifersüchtig auf die großen sind und nicht umgekehrt, so wie ich annehme? Gibt es auch bei euch solche Eifersuchtsszenen und wie handelt Ihr in den Situationen? Kann ich noch irgendetwas anders machen?

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