Von Ohrringen und Rutschmoped

Die GroßeMaus kam die letzen Wochen immer wieder auf das Thema Picks-Ohrringe. Sie äußerte laufend den Wunsch, dass sie welche haben möchte. Ich habe da mit meinem Mann drüber gesprochen und wir sind zu dem Entschluss gekommen, dass sie ja jetzt mit ihren 6 Jahren so alt ist um diese Entscheidung für sich zu treffen, wir aber erst noch abwarten wollen, ob sie auch über einen längeren Zeitraum bei diesem Wunsch bleibt.

Sie blieb dabei und versuchte mit allen Mitteln ihre Eltern, also uns, davon zu überzeugen.

Sie erzählte, wie schön die Ohrringe bei Ihren Freundinnen aussehen.

Sie ging bei jedem Juwelier am Schaufenster vorbei und zeigte uns, wie hübsch die Ohrringe aussehen.

Sie erklärte mir aus tiefster Überzeugung, dass Ihre Ohrklipps so drücken, die sie beim Prinzessin spielen immer anlegt.

Dann verschwanden Ihre Ohrklipps auf ominöse weise und die Theatralik nahm ihren Lauf. Das Argument, das richtige Picks-Ohrringe nicht so einfach verschwinden, weil die ja feste und vor allem „echt“ im Ohr sind war in ihren Augen wohl unschlagbar.

Dann kam sie in der letzten Woche nach Hause und fragte beim Abendbrot, ob es stimmt, dass man Picks-Ohrringe mit der Pistole in die Ohren geschossen bekommt? Ich antwortete Ihr, dass dem so sei. Sie brach in Tränen aus! Es waren Wasserfälle, die sie vergoss. Das Essen war gelaufen, weil die MiniMaus auch noch begann zu weinen. Sie macht das immer, wenn die GroßeMaus weint aus Solidarität mit zu weinen. Ich wusste erst nicht, warum die GroßeMaus das so mitnahm. Bis ich verstand, dass eine Ihrer Freundinnen wohl ganz schrecklich erzählt hat, dass man erst Löcher in die Ohren schießen würde, bevor man die Ohrringe einsetzt. Und diese Freundin sprach von sehr viel Blut und dass man eine richtig echte Pistole nehmen würde, wie man sie aus dem Fernsehen kennt. Wir haben einige Zeit und Kuscheleinheiten gebraucht, bis die Mäuse wieder aufhörten zu weinen und ich der GroßenMaus erklären konnte, was es mit dem Ohrlochschießen auf sich hat.

Ich googelte nach einem Bild der „Pistole“. Natürlich kam die Frage auf, ob es wirklich bluten würde. Ich sagte, dass Ihre Freundin da wohl grenzenlos übertrieben hat.

Als sie Fragte, ob es weh täte musste ich Ihr die Wahrheit sagen. Natürlich ist es Schmerzhaft, aber es dauert zum Glück nicht lange. Die GroßeMaus gab sich erst mal damit zufrieden und wirkte nicht mehr so verstört, wie noch beim Abendbrot.

Als ich den Mäusen Ihre Gute Nacht Geschichte vorlas, spielte die GroßeMaus an meinen Ohrringen, wovon ich nicht grade wenig habe. Sie sagte, sie wolle sich das nochmal überlegen.

Am nächsten Morgen, als ich vom Nachtdienst kam stand die GroßeMaus bereits angezogen im Flur und erwartete mich mit den Worten: „Okay Mama, ich mach es“. Ich muss gestehen, ich stand völlig auf dem Schlauch.

Als ich endlich verstand, was die Maus mir damit sage wollte, musste ich versprechen mit Papa zu reden. Das tat ich dann auch. Wir haben also das Projekt „Piecks-Ohrringe“ auf Samstag gelegt.

Die GroßeMaus zählte die Nächte, bis Samstag und fand dann am Samstagmorgen, dass Mama doch nicht schlafen bräuchte. Ich kam nämlich mal wieder vom Dienst. Es war in den Augen der GroßenMaus ein Ding der Unmöglichkeit, dass die Stadt um 07:00Uhr morgens noch nicht auf hat. Sie musste sich dann auch noch bis 13:00Uhr gedulden, bis ich meinen Schlaf beendet habe und dann mit den Mäusen in die Stadt gefahren bin.

Wir klapperten die Juweliere ab, bis wir einen fanden, den ich für „Gut“ befunden habe um Ohrlöcher stechen zu lassen. Die GroßeMaus setzte sich ganz tapfer auf den Stuhl, nachdem sie sich blaue glitzer Stecker ausgesucht hat. Sie beäugte ganz genau im Spiegel die eingezeichneten Punkte auf Ihren Ohrläppchen. Dann kam der große Moment. Die Pistole wurde mit den Ohrsteckern bespannt. Pistole an das Ohrläppchen und dann huschte kurz Panik in die Augen der GroßenMaus. Sie klammerte sich an meine Hand und ich klammerte mich an die MiniMaus. „Peng“ der Stecker war drinnen. Es rollte eine Träne aus dem Auge der Großen, aber sie riss sich zusammen und biss die Zähne aufeinander. Dann kam das zweite Ohrläppchen an die Reihe. Dieses Mal wirkte die GroßeMaus wesentlich entspannter.

Als die Ohrringe in den Ohren waren schmiss die GroßeMaus ihre Haare zurück und zeigte stolz allen ihre neuen Ohrringe. Sie erklärte jedem, der es wissen wollte und auch wer es nicht wissen wollte, dass sie endlich Picks-Ohrringe hat.

Ich muss gestehen, die GroßeMaus war sehr tapfer und hat fast nicht geweint. Dabei ist sie eigentlich sehr Schmerzempfindlich.

Nachdem wir aus dem Juwelier raus sind kam die MiniMaus und sagte nur „Auch“. Ich sah sie an und fragte, was sie auch wolle. Sie sah mich mit großen Augen an:“… auch“. Ich schüttelte den Kopf und versuchte Ihr klar zu machen, dass sie noch zu klein ist um Ohrringe zu bekommen.

Wir bummelten noch etwas durch die Stadt und natürlich landeten wir in einer Spielzeug Abteilung. Dort stand dann ein kleines Rutschmoped auf dem Boden und die MiniMaus verliebte ich sofort. Da war das Thema Ohrringe für sie erledigt. Die MiniMaus setzte sich auf das Moped und machte den Laden unsicher. Als die GroßeMaus genug Spielzeug gesehen hatte und überlegt hat, wie lange sie sparen muss, bis sie sich neue schöne Dinge leisten kann , wollte ich weiter. Aber da habe ich die Rechnung ohne die MiniMaus gemacht. Diese wollte nämlich nicht mehr vom Moped runter.

Die MiniMaus stellte sich vor mich, zeigte auf die GroßeMaus, dann auf das Moped und sagte: „Auch“. Die kleine MiniMaus ist echt schlau. Da zeigt sie der Mama ganz deutlich was sie will. Sie Zeigt auf zwei Sachen und sagt ein Wort und mir ist sofort klar, was sie will. Wenn die GroßeMaus die Ohrringe bekommt, dann möchte ich das Moped haben, da ich ja keine Ohrringe bekomme.

Schlau! Und so bekam sie das Moped. Ich war nur froh, dass es nicht teuer war.

Wir fuhren also wieder Heim. Die GroßeMaus Seelig, weil sie Ihre ersehnten Picks-Ohrringe hat und die MiniMaus glücklich, weil sei ein neues Spielzeug hat.

Das Moped nimmt sie überall mit hin, sie würde es auch mit ins Bett schleppen, wenn wir dieses nicht unterbinden würden. Aber dafür darf es neben dem Bett schlafen. Selbstverständlich unter einer Decke.

                                                                                                        

4 Replies to “Von Ohrringen und Rutschmoped”

  1. Das steht uns ja auch noch bevor. Unsere Maus wird bald 4. Oh je, das wird noch was 🙂

    1. Es wird werden, so lange es der Wunsch der Kinder ist welche zu bekommen ,so lange sind die Schmerzen erträglicher.
      Und man sieht doch so hübsch aus mit Ohrringen 😉

  2. Oha, sehr mutig. 🙂 Ich war damals glaub ich schon 10, als ich es mich endlich getraut habe. Oh my oh my.

    Aber deine kleine Maus ist echt schlau, ich bin begeistert!

    1. Ja ist sie. Normalerweise ist die GroßeMaus eine kleine Mimose. Hat sich da aber echt am Riemen gerissen. Ich bin total stolz auf sie. Und sie auf sich. Zudem hat sich nichts entzündet.
      Die MiniMaus ist echt schlau. Das macht sie immer wieder. Mit kleinen Gesten und Andeutungen. Sie spricht zwar noch nicht so viel wie ihre Schwester in dem alter , aber sie ist dafür echt gerissen 😉

Schreibe einen Kommentar

*